Startseite Nachrichten Seltener Räuber in Parkteich in San Francisco entdeckt

Seltener Räuber in Parkteich in San Francisco entdeckt

Golden Gate Leech
Photo credit: Richard Hasegawa

In einem ruhigen Bereich am Wasser tauchte ein kleines Tier an einem Ort auf, an dem wohl kaum jemand gesucht hätte.

Nahe dem Mallard Lake im Golden Gate Park hob Richard Hasegawa ein Stück Holz an und entdeckte darunter zwei winzige Blutegel.

Die Sichtung erfolgte während der diesjährigen City Nature Challenge, bei der Bewohner der Bay Area Pflanzen und Tiere für iNaturalist fotografierten.

Laut SFGATE dokumentierte Hasegawa, ein Umweltberater und Hobbynaturforscher aus Berkeley, den Golden-Gate-Blutegel – ein kleines Süßwasserraubtier, das in Verbindung mit den Teichen San Franciscos steht.

Zwei Blutegel unter einem Holzstück

Bevor er loszog, hatte Hasegawa nach ungewöhnlichen lokalen Tieren gesucht, die während der Challenge leicht übersehen werden könnten. SFGATE berichtet, dass er dabei auf frühere Forschungen zum Golden-Gate-Blutegel stieß, der 1987 erstmals vom deutschen Evolutionsbiologen Dr. Ulrich Kutschera beschrieben wurde.

Am Mallard Lake dauerte die Suche nicht lange. Hasegawa untersuchte Holzstücke und Blätter am Ufer des Teichs und fand die Tiere innerhalb weniger Minuten.

„Ich bekam sofort diesen Dopaminschub, dieses großartige Gefühl von ‚Heureka!‘“, sagte er dem Medium. „Es erfüllte mich mit Staunen, dass es solche Dinge gibt, an denen wir jeden Tag vorbeigehen, ohne sie wahrzunehmen.“

Er fotografierte die Blutegel in einem kleinen Aufbau und lud die Bilder bei iNaturalist hoch. Es war der erste Nachweis des Golden-Gate-Blutegels auf der Plattform.

Ein winziges Raubtier mit langer Geschichte

Der Golden-Gate-Blutegel ist etwa erbsengroß, räuberisch und kann seinen Körper beim Fortbewegen strecken. Er ernährt sich von Fliegen, Zuckmückenlarven und Schnecken.

Experten gehen davon aus, dass das Tier bereits in den 1850er-Jahren nach San Francisco gelangte, möglicherweise über Pflanzen oder Treibgut aus Südamerika.

Die diesjährige City Nature Challenge fand vom 24. bis 27. April statt. Rebecca Johnson von der California Academy of Sciences sagte gegenüber SFGATE, dass 106.350 Menschen in 754 Städten mehr als drei Millionen Beobachtungen eingereicht hätten.

„Die Verbreitung von Pflanzen und Tieren zu kennen, ist für uns im Naturschutz von entscheidender Bedeutung“, sagte Johnson. „Wissenschaftler können nicht überall gleichzeitig sein, deshalb helfen uns solche Sichtungen dabei, die Verbreitung von Arten und ihre Veränderungen besser zu verstehen.“

Ein Elternteil, das seinen Nachwuchs trägt

Ein Detail fiel Hasegawa besonders auf: die Fürsorge des Blutegels für seinen Nachwuchs. Junge Blutegel heften sich an die Unterseite erwachsener Tiere, die sie bei der Nahrungssuche mit sich tragen:

„Es ist faszinierend, dass ein so kleines und vergleichsweise primitives Wesen sich auf diese Weise um seinen Nachwuchs kümmert.“

Für Hasegawa beruhte der Fund auf Recherche, dem richtigen Zeitpunkt und Glück. Er zeigte außerdem, dass selbst ein stark besuchter Park Tiere beherbergen kann, die vielen Besuchern nie auffallen.

„Es ist cool zu sehen, dass sie bis heute noch vorkommen“, sagte er.

Quellen: SFGATE