Die Besorgnis wächst über das, womit ukrainische Streitkräfte fernab der Frontlinie konfrontiert sind, während der Blick auf Aktivitäten gerichtet wird, die tief im Hinterland stattfinden. Militärexperten warnen, dass die Lage Bedingungen schafft, die Russland auszunutzen vermag.
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Das Problem betrifft Menschen, die in Gebieten leben, in denen ukrainische Brigaden stationiert sind, sowie die Rolle, die einige von ihnen mutmaßlich in dem Konflikt spielen.
Hilfe durch Einheimische
Nach Angaben von LA.LV sehen sich die ukrainischen Streitkräfte zunehmend mit Problemen konfrontiert, die mit lokalen Bewohnern in rückwärtigen Gebieten zusammenhängen.
Einige Angehörige der Bevölkerung werden beschuldigt, russische Truppen zu unterstützen und mit Besatzungskräften zu kollaborieren.
Jānis Slaidiņš, Major der lettischen Nationalen Streitkräfte und Stabsoffizier der Nationalgarde, sprach das Thema in der TV24-Sendung „Aktuelle Fragen zu den militärischen Operationen in der Ukraine“ an. Er sagte, kleine Gruppen russischer Soldaten hätten unter Zivilisten Unterschlupf gefunden.
Slaidiņš erklärte, dass diese Einheimischen nicht nur Schutz gewährten, sondern russische Aktivitäten auch unterstützten, indem sie die Soldaten mit Nahrung und Wasser versorgten und Aufklärungsarbeit leisteten.
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Auswirkungen auf die Operationen
Laut Slaidiņš hätten russische Kräfte ohne diese lokale Unterstützung nicht so tief in den taktischen rückwärtigen Raum ukrainischer Einheiten eindringen und sich dort festsetzen können.
Er sagte, die Präsenz sogenannter „Wartender“, also Menschen, die bereit seien, mit russischen Truppen zusammenzuarbeiten, habe es den russischen Streitkräften ermöglicht, in deutlich größerem Umfang zu operieren, als es sonst möglich wäre.
Die Situation, so warnte er, ermögliche es russischen Einheiten, in rückwärtige Gebiete einzusickern, und untergrabe die ukrainischen Verteidigungsanstrengungen.
Forderungen nach Entscheidungen
Slaidiņš stellte infrage, warum keine rechtlichen oder politischen Schritte unternommen worden seien, um Zivilisten aus strategisch sensiblen Gebieten zu entfernen, falls sie sich weigerten zu evakuieren.
„Das wäre eine politische und militärische Entscheidung“, sagte er und fügte hinzu, dass ohne ein solches Vorgehen die derzeitigen Bedingungen weiterhin den russischen Streitkräften zugutekämen.
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Er argumentierte, dass der Verbleib von Zivilisten in diesen Gebieten „alle Voraussetzungen“ für russische Erfolge schaffe.
Historischer Vergleich
Slaidiņš zog zudem einen Vergleich mit Lettland und fragte, wie das Land reagieren würde, wenn es zu Truppenbewegungen an seinen Grenzen käme.
„Ich denke, es gibt hier genügend Russen, die auf ihre Gelegenheit warten“, sagte er und deutete damit an, dass das Problem nicht auf die Ukraine beschränkt wäre.
Er verwies auf historische Beispiele und erinnerte daran, dass deutsche Truppen während des Zweiten Weltkriegs Bewohner aus Frontgebieten, darunter auch aus Teilen Kurlands, vertrieben hätten, um ähnlichen Risiken zu begegnen.
Quellen: LA.LV, TV24