Die kleinen Plastikfiguren galten lange als Symbol für den Erfolg der deutschen Industrie.
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Nun verstummt einer der Orte, an denen sie entstanden sind. Für die Beschäftigten und die gesamte Region ist das ein schmerzhafter Einschnitt.
Die Schließung hat bei den Gewerkschaften Empörung ausgelöst und stürzt Hunderte Familien in große Unsicherheit.
Werksschließung
Die Horst Brandstätter Group, Eigentümerin der Marke Playmobil, hat angekündigt, ihr Werk im bayerischen Dietenhofen bis Ende Juni 2026 zu schließen.
In dem Werk sind rund 350 Menschen beschäftigt, die sämtlich ihren Arbeitsplatz verlieren sollen.
Das Unternehmen erklärte, die Produktion der Playmobil-Figuren werde in andere Werke verlagert. Als Hauptgrund nannte es stark gestiegene Produktionskosten in Deutschland.
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Dietenhofen hat für die Marke eine besondere Bedeutung. Seit den 1970er-Jahren wurden dort die ikonischen 7,5 Zentimeter großen Figuren hergestellt und an Kinder in aller Welt verschickt. Lokale Medien sprechen von einem Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland.
Gewerkschaftlicher Widerstand
Die Gewerkschaften reagierten mit scharfer Kritik. Die Gewerkschaft IGBCE warf dem Management vor, die Belegschaft nach jahrelangen Zusicherungen verraten zu haben, dass die Produktion in Deutschland bleiben werde.
„Das ist ein kolossales Desaster“, sagte Gewerkschaftsvertreter Maximilian Krippner und bezeichnete die Schließung als „das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland“.
Gewerkschaftsvertreter erklärten, sie hätten wiederholt Klarheit über die Zukunft des Werks gefordert, seien jedoch stets mit ausweichenden Antworten abgespeist worden. Die Ankündigung sei kurz vor einem geplanten Treffen mit den Beschäftigten erfolgt und stelle einen „Stich in den Rücken“ dar.
Die IGBCE kündigte an, auf Verhandlungen zu drängen, um die Produktion in Deutschland zu halten.
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Jahre der Probleme
Die Schließung folgt auf eine schwierige Phase für den Spielzeughersteller.
Playmobil meldet seit mehreren Jahren rückläufige Umsätze und hat kürzlich erstmals einen finanziellen Verlust bekannt gegeben.
Zudem hat das Unternehmen bereits Pläne vorgestellt, weltweit bis zu 700 Stellen abzubauen, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.
Analysten verweisen auf veränderte Freizeitgewohnheiten von Kindern, harte Konkurrenz durch digitale Unterhaltung sowie steigende Kosten als Ursachen der Krise.
Für viele Beschäftigte fühlt sich die Schließung von Dietenhofen wie der Höhepunkt eines langen Niedergangs an.
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Playmobil erklärte, man werde Gespräche mit dem Betriebsrat führen, um einen „sozialverträglichen“ Stellenabbau zu gewährleisten.
Andere Bereiche, darunter die Logistik in Herrieden und die Verwaltung in Zirndorf, sollen weiter bestehen bleiben.
Für die Beschäftigten in Dietenhofen bieten diese Zusicherungen jedoch wenig Trost. „Das letzte Vertrauen ist verloren gegangen“, sagte Krippner und kündigte an, weiter um die Arbeitsplätze zu kämpfen.
Quellen: Wirtualna Polska, Stellungnahmen der Gewerkschaft IGBCE, Super Express.