Die finanzielle Belastung verändert den Alltag von Privathaushalten und kleinen Unternehmen. Selbst geringe Ausgaben können zum Problem werden, wenn das Einkommen kaum Spielraum für Anpassungen lässt.
Die Inflation in den USA schwächte sich im Juni ab, nachdem sie im Mai 4,2 Prozent erreicht hatte. Damals waren vor allem die Energiekosten für den Anstieg verantwortlich.
Die jährliche Inflationsrate lag im Juni bei 3,5 Prozent, wie das Bureau of Labor Statistics mitteilte, berichtet NBC. Die inflationsbereinigten Stundenlöhne blieben gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.
Interviews von NPR zeigen, wie sich der frühere Inflationsanstieg auf drei Menschen ausgewirkt hat, deren finanzielle Situation bereits zuvor angespannt war.
Rechnungen konkurrieren um das Einkommen
In Gulfport im Bundesstaat Mississippi arbeitet Jennifer Browning während des Schuljahres als Vertretungslehrerin und ist zugleich auf mehrere weitere Einkommensquellen angewiesen. Sie übernimmt Lieferaufträge, erledigt Einkäufe für Kunden, betreut Haustiere und arbeitet saisonal im Bereich der Krankenversicherung.
Gegenüber NPR sagte sie, dass selbst die Kombination mehrerer Jobs keine verlässliche finanzielle Sicherheit biete. In manchen Monaten müsse sie sich zwischen dem Kauf von Lebensmitteln und der Bezahlung ihrer Haushaltsrechnungen entscheiden. Zudem erschwere das Fehlen einer Krankenversicherung den Zugang zu verschreibungspflichtigen Medikamenten und zur medizinischen Grundversorgung.
„Im Grunde tue ich alles, was ich kann, nur um ein Dach über dem Kopf zu behalten“, sagte sie.
Ihre Arbeitszeiten und Einkünfte schwanken, sodass kaum Spielraum für unerwartete Ausgaben bleibt. Reicht das Einkommen nicht aus, bittet Browning nach eigenen Angaben Verwandte um Hilfe oder übernimmt zusätzliche Lieferaufträge, um kurzfristige Kosten zu decken. Selbst der Besitz ihres Mobilheims habe ihr die Sorge nicht genommen, mit Zahlungen in Rückstand zu geraten.
Eine Kneipe trägt die Verluste
Der Pubbesitzer Alex Garcia aus Seattle versucht, die gestiegenen Kosten für Lebensmittel und Betriebsmittel zu bewältigen, während viele Gäste ihre nicht unbedingt notwendigen Ausgaben einschränken.
Garcia sagte gegenüber NPR, der Druck zeige sich deutlich im Verhalten der Stammgäste. Manche Menschen, die früher mehrere Getränke bestellt hätten, kauften heute nur noch eines und blieben anschließend, um sich mit Freunden zu unterhalten, ohne ihre Rechnung wesentlich zu erhöhen.
Für den Betrieb summieren sich diese kleineren Bestellungen zu sinkenden Einnahmen, während die laufenden Kosten weiter steigen.
Er sagte, höhere Preise für Speisen könnten zwar helfen, die Gewinnmargen zu sichern, doch das berge eigene Risiken. Garcia befürchtet, dass Kunden, die bereits finanziell unter Druck stehen, noch weniger bestellen oder ganz wegbleiben könnten.
Stattdessen versucht der Pub, die Preise auf der Speisekarte erschwinglich zu halten, nimmt bei einigen Gerichten Verluste in Kauf und hofft, dass die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf einen Teil der Differenz ausgleichen.
„Manchmal fühlt es sich an, als würden wir einen Marathon laufen. Und egal, wie hart man arbeitet – man erreicht die Ziellinie einfach nie“, sagte er.
Jede Fahrt wird geplant
Im ländlichen New Hampshire lebt der pensionierte Militärveteran Chuck Lockhart von einem festen Einkommen in einer Gegend ohne öffentlichen Nahverkehr in der näheren Umgebung. Dadurch ist er für alltägliche Besorgungen auf sein Auto angewiesen, und jede Erhöhung der Kraftstoffpreise trifft ihn besonders hart.
Lockhart sagte gegenüber NPR, dass er mindestens zehn Meilen fahren müsse, um einen Supermarkt zu erreichen. Deshalb versucht er inzwischen, mehrere Besorgungen in einer Fahrt zu erledigen, und fragt sich regelmäßig, ob eine Fahrt überhaupt notwendig ist, bevor er losfährt. Was früher zwei getrennte Fahrten gewesen wären, wird heute zunehmend zu einer einzigen Fahrt zusammengelegt, um Kraftstoff zu sparen.
Die Energy Information Administration erwartet, dass höhere Kraftstoffpreise und die allgemeine wirtschaftliche Lage den Benzinverbrauch in den USA in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau halten werden. Für Menschen in ländlichen Regionen ist es jedoch oft schwierig, weniger Auto zu fahren, wenn Geschäfte, Dienstleistungen und Arzttermine über große Entfernungen verteilt sind.
Lockhart erinnert sich daran, dass in den 1970er-Jahren deutlich weniger Haushaltsausgaben als unverzichtbar galten. Heute umfassen Haushaltsbudgets dagegen oft mehr laufende Kosten, die sich nur schwer streichen lassen.
Browning appellierte abschließend an mehr Verständnis für Menschen mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und finanziellen Sorgen. Wer Schwierigkeiten habe, eine feste Arbeit zu finden, werde oft vorschnell beurteilt, sagte sie.
„Ich würde auf jeden Fall sagen: Seid freundlich, denn Menschen brauchen in solchen Phasen ihres Lebens Verständnis“, sagte sie gegenüber NPR.
Quellen: NPR, NBC, US Bureau of Labor Statistics, US Energy Information Administration