Trumps diplomatische Offensive brachte viel harte Rhetorik hervor, aber deutlich weniger große Durchbrüche.
Donald Trump startete in eine der geschäftigsten diplomatischen Wochen seiner zweiten Präsidentschaft mit zahlreichen Gelegenheiten, den amerikanischen Einfluss zu demonstrieren.
Staats- und Regierungschefs versammelten sich bei den Vereinten Nationen. Der chinesische Präsident Xi Jinping traf zu einem hochrangigen Besuch im Weißen Haus ein. Kriege im Iran und in der Ukraine boten Trump die Möglichkeit, sich als den „Dealmaker“ zu präsentieren, der er nach eigener Aussage schon lange ist.
Am Ende der Woche zeichnete sich jedoch ein anderes Bild ab.
Ausländische Regierungen schienen zunehmend bereit, sich Washington zu widersetzen, während mehrere von Trumps größten internationalen Ambitionen ungelöst blieben. Selbst das sorgfältig inszenierte Treffen mit Xi Jinping führte zu relativ bescheidenen öffentlichen Ergebnissen.
Trump klang sicherlich mächtig.
Doch alle anderen dazu zu bringen, mitzuziehen, erwies sich als komplizierter, wie Reuters schlussfolgerte.
Trump trat bei der UN mit dem Anspruch auf, seinen Einfluss geltend zu machen
Trump nutzte seine Rede vor der UN-Generalversammlung am Dienstag, um eine kompromisslos kraftvolle Version der amerikanischen Außenpolitik zu präsentieren.
Der Iran erhielt die vielleicht deutlichste Warnung.
Trump drohte, das Land zu „vernichten“, sollte Teheran kein Abkommen zustimmen, und verteidigte gleichzeitig den am 28. Februar von den Vereinigten Staaten und Israel begonnenen Krieg.
Venezuela lieferte ein weiteres Beispiel für die Weltanschauung des Präsidenten.
„Dem Sieger gehört die Beute“, erklärte Trump und verteidigte seinen Zwangsansatz gegenüber dem ölreichen südamerikanischen Land.
Diese Rhetorik passte gut zu Trumps Erklärung, dass „Amerika zurück ist“.
Doch die Woche verdeutlichte auch den Unterschied zwischen dem Besitz enormer militärischer und wirtschaftlicher Macht und der erfolgreichen Umwandlung dieser Macht in politische Einigung.
Xi Jinping kommt mit eigenem Einfluss
Der Gipfel mit Xi Jinping am Donnerstag stellte Trump vielleicht vor seine größte Herausforderung.
An Zeremonien mangelte es nicht. Große Durchbrüche waren schwieriger zu finden.
Laut dem Quellmaterial war das klarste Ergebnis eine zweimonatige Verlängerung des bestehenden Handelswaffenstillstands zwischen den USA und China, was den beiden größten Volkswirtschaften der Welt mehr Zeit vor einer weiteren potenziellen Eskalation verschaffte.
Mehrere weitaus größere Streitigkeiten bleiben ungelöst, darunter Taiwan, künstliche Intelligenz und Handel.
Chinesische Staatsmedien berichteten, dass Xi Jinping Trump privat drängte, die Unabhängigkeit Taiwans abzulehnen. Taiwan, das Peking als sein Territorium beansprucht, gehört weiterhin zu den sensibelsten Themen, die China und die Vereinigten Staaten trennen.
Trump vermied es, Meinungsverschiedenheiten mit seinem Gast öffentlich zu betonen.
Brett Bruen, ein ehemaliger außenpolitischer Berater in der Obama-Regierung, der jetzt die Beratungsfirma Global Situation Room leitet, sah einen auffälligen Kontrast zwischen Trumps allgemeiner Rhetorik und seinem Umgang mit Xi Jinping.
„Trump sieht sich selbst dabei, uns in eine Welt zurückzuführen, in der das Recht des Stärkeren gilt“, sagte Bruen.
„Aber es ist bemerkenswert, dass er wackelig wird, wenn es um Xi Jinping und die aufstrebende chinesische Macht geht.“
Dies ist Bruens Einschätzung und keine etablierte Schlussfolgerung über Trumps Motive oder Verhandlungsposition.
Peking besitzt dennoch selbst beträchtlichen wirtschaftlichen Einfluss, insbesondere durch Chinas dominante Position bei Seltenen Erden, die von Technologie- und Automobilherstellern verwendet werden.
Weißes Haus weist die Vorstellung zurück, Trump sei an eine Wand gestoßen
Trumps Regierung bestreitet die umfassendere Behauptung, seine internationale Agenda sei ins Stocken geraten.
Ein Beamter des Weißen Hauses teilte Reuters mit, dass die UN-Rede des Präsidenten „seine verschiedenen Erfolge bei der Förderung der US-Interessen weltweit“ hervorgehoben habe, einschließlich der Verhinderung, dass der Iran eine Atomwaffe erlangt.
Der Iran hat stets betont, dass sein Atomprogramm friedlich ist.
Die Regierung kann auch auf außenpolitische Erfolge verweisen, die im Quellmaterial genannt werden, darunter ein Waffenstillstand in Gaza und die Gefangennahme des venezolanischen Führers.
Der Iran stellt eine wesentlich hartnäckigere Herausforderung dar.
Fast sieben Monate nach dem Angriff der Vereinigten Staaten und Israels dauert der Konflikt an. Die Kämpfe haben die Energieversorgung gestört und sich in andere Regionen ausgebreitet, darunter Jemen und den Schifffahrtskorridor im Roten Meer.
Trump verteidigte seine Entscheidung bei der UN und betonte, dass Amerikas Position stärker geworden sei.
Die politischen Konsequenzen im eigenen Land sind jedoch schwerer zu ignorieren, da höhere Kraftstoffpreise und öffentliche Unzufriedenheit mit dem Konflikt kurz vor den Zwischenwahlen im November eintreten.
Verbündete fühlen sich wohler dabei, „Nein“ zu sagen
Widerstand kam nicht ausschließlich von amerikanischen Gegnern.
Europäische und asiatische Verbündete haben Trumps Forderungen nach Unterstützung im Iran-Konflikt laut dem Quellmaterial weitgehend abgelehnt.
Einige Staats- und Regierungschefs nutzten das UN-Treffen auch, um die Art der internationalen Ordnung zu kritisieren, die Trumps Ansatz ihrer Meinung nach fördert.
Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte vor einer „Rückkehr zum Gesetz des Dschungels“.
Länder, so Macron, stünden vor der Wahl zwischen einem internationalen System, das von Zwang und Macht dominiert wird, oder einer „zivilisierten internationalen Gesellschaft“.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva übermittelte seine eigene deutliche Botschaft, indem er sich im Vorfeld der brasilianischen Wahlen im Oktober kritisch über ausländische Einmischung äußerte.
„Wir brauchen keine Flugzeugträger, die unsere Gewässer patrouillieren, wir brauchen Zusammenarbeit, um den Fluss von Waffen und Geld einzudämmen, der die Kriminalität befeuert“, sagte Lula.
Keine dieser Aussagen belegt für sich genommen, dass die Staats- und Regierungschefs die amerikanische Führung gänzlich ablehnten, aber beide verdeutlichten den öffentlichen Widerstand, dem Trump in einer Woche begegnete, die teilweise dazu gedacht war, seinen internationalen Einfluss zu demonstrieren.
Das Weiße Haus wies diese Interpretation zurück.
Laut einem in der Quelle zitierten Regierungsbeamten ging es Trump „nicht um Pose, sondern um Ergebnisse“.
Der Beamte argumentierte auch, dass einige Staats- und Regierungschefs in privaten Gesprächen mit Trump deutlich anders geklungen hätten als in der Öffentlichkeit.
Die Ukraine weigert sich, den einfachen Deal zu liefern
Trumps Probleme erstrecken sich auch auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
Sein Versuch, beide Seiten zu überzeugen, selbst einen begrenzten Waffenstillstand für die Energieinfrastruktur zu akzeptieren, führte laut dem Quellmaterial zu keinen signifikanten Fortschritten.
Grönland bietet ein weiteres Beispiel, wo Trumps ursprüngliche Ambitionen auf praktische Grenzen stießen.
Trump hat eine Vereinbarung mit Dänemark und Grönland erzielt, die eine erweiterte US-Militärpräsenz auf der arktischen Insel ermöglicht.
Eine solche Vereinbarung bleibt weit hinter seiner früheren Forderung zurück, dass Amerika Grönland „besitzen“ sollte, einschließlich seiner Weigerung, zu einem bestimmten Zeitpunkt den Einsatz von Gewalt auszuschließen, um Territorium eines NATO-Mitglieds zu erlangen.
Ian Bremmer, Präsident der Eurasia Group, glaubt, dass andere Länder diese Diskrepanz zwischen Trumps Forderungen und den tatsächlichen Ergebnissen bemerkt haben.
„Vor einem Jahr wagten es nur wenige Länder, Trump zu widersprechen“, schrieb Bremmer.
„Jetzt sind Kanada, Europa, China, Iran, Russland und andere eher bereit, ‚Nein‘ zu sagen.“
Bremmers Beobachtung ist ein analytisches Urteil und kein messbares Ergebnis, aber mehrere Konfrontationen während Trumps diplomatischer Woche lieferten Beispiele dafür, dass Regierungen Washington nicht alles gaben, was es wollte.
Die Zwischenwahlen setzen eine weitere Frist
Ausländische Staats- und Regierungschefs haben es auch mit einem Präsidenten zu tun, der sich einer bedeutsamen nationalen Wahl nähert.
Die Republikaner stellen sich am 3. November den Wählern, wobei die Kontrolle über den Kongress auf dem Spiel steht. Ein Verlust einer der beiden Kammern könnte Trumps verbleibende Präsidentschaft zusätzlich einschränken.
Nach der Wahl würden ihm noch mehr als zwei Jahre seiner Amtszeit verbleiben, aber ausländische Regierungen haben ihre eigenen politischen Kalender und Gründe, zu kalkulieren, wie viel Einfluss Washington ausüben kann.
Der Iran befindet sich trotz Trumps Militärkampagne weiterhin im Krieg. Russland und die Ukraine sind noch weit voneinander entfernt. Verbündete haben sich geweigert, sich dem Iran-Konflikt anzuschließen. China kam mit wirtschaftlichem Einfluss nach Washington, der Trumps Handlungsspielraum einschränkte.
Nichts davon macht die Vereinigten Staaten machtlos.
Vielmehr zeigte die Woche etwas weniger Dramatisches und vielleicht Folgenreiches: Amerikanische Macht garantiert nicht die amerikanische Gefolgschaft von allen anderen.