Ungarns neue Regierung bereitet sich darauf vor, die umstrittene Erweiterung des Atomkraftwerks Paks neu zu bewerten – ein Schritt, der eines der größten verbleibenden Energieprojekte Russlands innerhalb der Europäischen Union gefährden könnte.
Digi24.ro berichtete, dass Beamte in Budapest planen, die Finanzierung, Verträge und Umsetzung der milliardenschweren Vereinbarung mit dem russischen staatlichen Atomriesen Rosatom zu überprüfen.
Atomabkommen infrage gestellt
Das Projekt Paks-2 wurde ursprünglich 2014 unter dem ehemaligen Premierminister Viktor Orbán ohne internationales Ausschreibungsverfahren unterzeichnet.
Laut Digi24.ro umfasst die Vereinbarung den Bau von zwei neuen Kernreaktoren durch Rosatom mit einem geschätzten Wert von mehr als 12,5 Milliarden Euro, was umgerechnet etwa 14,7 Milliarden US-Dollar entspricht.
István Kapitányi, nominiert für die Rolle des ungarischen Wirtschafts- und Energieministers, sagte, die neue Regierung wolle eine „transparente Nuklearstrategie“.
„Wir müssten die Finanzierung und die Kosten des Projekts ‚Paks-2‘ sowie die Bedingungen für dessen Umsetzung überprüfen“, sagte er während parlamentarischer Anhörungen.
Geheime Verträge im Visier
Kapitányi behauptete zudem, Teile der Vereinbarung blieben der öffentlichen Kontrolle verborgen.
„Es gebe geheime Verträge, mit denen wir uns noch nicht vertraut gemacht hätten und die wir studieren müssten“, sagte er laut Reuters.
Premierminister Peter Magyar, der nach den Wahlen im April sein Amt antrat, hat ebenfalls zugesagt, das Projekt zu untersuchen und Vorwürfe über überhöhte Kosten und Korruption im Zusammenhang mit der vorherigen Regierung zu prüfen.
Rosatom sieht sich Unsicherheit gegenüber
Die Atomkraftanlage Paks, südlich von Budapest gelegen, betreibt derzeit vier Reaktoren aus der Sowjetzeit, die in den 1970er und 1980er Jahren gebaut wurden.
Das Erweiterungsprojekt würde zwei neue, russisch konstruierte VVER-1200-Reaktoren mit einer kombinierten Leistung von 2,4 Gigawatt hinzufügen.
Rosatom gab Anfang des Jahres bekannt, dass der Bau nach dem Gießen des „ersten Betons“ für Reaktorblock fünf offiziell in die nächste Phase eingetreten sei.
EU-Rechtsdruck nimmt zu
Digi24.ro berichtete, dass der Gerichtshof der Europäischen Union zuvor die Genehmigung der Europäischen Kommission für Ungarns finanzielles Unterstützungspaket für das Projekt annulliert habe.
Richter urteilten, Brüssel hätte prüfen müssen, ob die direkte Vergabe des Auftrags an Rosatom den EU-Vergabevorschriften entsprochen habe.
Gemäß der Finanzierungsstruktur würde Rosatom 10 Milliarden Euro an Finanzmitteln bereitstellen, während Ungarn 2,5 Milliarden Euro beisteuert.
Die Überprüfung wirft nun neue Unsicherheit über eine der letzten großen strategischen Infrastrukturinvestitionen Moskaus in Europa auf.
Quellen: Digi24.ro, Reuters, Europäischer Gerichtshof.