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Unter dem Ural: Wie Russland sich auf das Überleben des Staates vorbereitete

Winter landscape of the Russian snowy forest, with frozen Usva River, snow-covered pine trees in Perm Krai in the Ural Mountains, Russia
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Da nukleare Abschreckung erneut die globalen Sicherheitsdebatten prägt, richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf die verborgenen Systeme, die für Katastrophenfälle errichtet wurden. Es handelt sich um Orte, die nicht für die Kriegsführung gedacht sind, sondern für das Überleben danach. Einer der meistdiskutierten befindet sich unter dem Berg Jamantau im südlichen Ural Russlands, einem abgelegenen Gipfel, der seit Langem mit Geheimhaltung und Spekulationen verbunden ist.

Während des Kalten Krieges investierten beide Supermächte erhebliche Ressourcen in gehärtete Kommandozentren. Die USA bauten den Cheyenne Mountain aus; die Sowjetunion entwickelte ihr eigenes Netzwerk geschützter Anlagen, oft weit entfernt von großen Städten.

Jamantau wird weithin in diesem Zusammenhang betrachtet. Berichte der New York Times, gestützt auf US-Geheimdienstbewertungen aus den 1990er-Jahren, beschrieben umfangreiche unterirdische Bauarbeiten unter dem Berg, der zeitweise als mögliche „Ersatzhauptstadt“ bezeichnet wurde.

Schätzungen aus jener Zeit sprachen von einem jahrzehntelangen Projekt von enormem Ausmaß, das bereits in der Sowjetzeit begann.

Eine derartige Investition deutet auf etwas hin, das über einen einfachen militärischen Schutzbunker hinausgeht. Nicht nur Schutz, sondern Durchhaltefähigkeit.

Systeme des Überlebens

Um zu verstehen, warum ein solcher Ort existieren könnte, verweisen Analysten häufig auf den Aufbau nuklearer Kommandosysteme. Redundanz ist entscheidend. Fällt eine Ebene aus, muss eine andere bestehen bleiben.

Hier kommt das sogenannte „Dead-Hand-System“ ins Spiel. Es wurde als automatischer Vergeltungsmechanismus konzipiert und spiegelt eine Doktrin wider, die darauf abzielt, die Reaktionsfähigkeit unter allen Umständen sicherzustellen.

Es gibt keine bestätigten Belege, die Jamantau direkt damit in Verbindung bringen, schreibt WP Tech, doch diese Verknüpfung hält sich in Fachdiskussionen.

In der Nähe liegt die geschlossene Stadt Meschgorye. Satellitenbilder zeigen eine ruhige, isolierte Siedlung, umgeben von bewaldetem Gelände, mit eingeschränktem Zugang, der die Vermutungen über die Rolle der Region weiter verstärkt hat.

Ein bewusstes Geheimnis

Details bleiben rar, und das scheint beabsichtigt zu sein. Russische Behörden haben Anlagen in der Region bestätigt, ohne nähere Angaben zu machen.

Laut von der New York Times zitierten Aussagen beschrieb der frühere Leiter des US Strategic Command, General Eugene E. Habiger, den Komplex als enorm und sich über Millionen Quadratmeter erstreckend, machte jedoch zugleich deutlich, dass sein Zweck weiterhin unbekannt sei.

Moskau hat über lange Zeit eine konsistente Linie vertreten. Wie der frühere Verteidigungsminister Igor Rodionow in den 1990er-Jahren sagte, seien sensible Sicherheitsprojekte nichts, worüber Russland mit ausländischen Medien spreche.

Dieses Schweigen verbirgt nicht nur Fakten. Es unterstreicht auch die Botschaft. Ob Jamantau als Kommandozentrale, Zufluchtsort oder etwas Komplexeres dient – seine Rolle ist untrennbar mit der Ungewissheit selbst verbunden.

Quellen: The New York Times, WP Tech