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Untersuchung enthüllt die Identitäten hinter einem prorussischen Podcast, der in den USA populär ist

A close-up of a modern professional microphone set on a wooden desk with a blurred background of computer and headphones, ideal for streaming, podcasting and voice recording setups
Shutterstock

Ein Online-Medienprojekt mit wachsender internationaler Zuhörerschaft hat nach neuen Erkenntnissen über seine Ursprünge Aufmerksamkeit erregt. Der Fall verdeutlicht anhaltende Bedenken hinsichtlich Einflussnahme, Transparenz und Verantwortlichkeit im digitalen Raum.

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Ein kremlnaher Podcast konnte auf westlichen Plattformen Tausende zahlende Abonnenten gewinnen, während er Russlands Krieg in der Ukraine propagierte.

Seine Entfernung hat eine erneute Prüfung durch Journalisten und Politikanalysten ausgelöst, wie solche Inhalte Moderationssysteme passieren.

Eine Untersuchung des Kyiv Independent in Zusammenarbeit mit TUA Research weist auf ein umfassenderes Problem hin: Digitale Plattformen, Zahlungssysteme und ein globales Publikum können zusammenwirken, um politische Einflussoperationen über Grenzen hinweg aufrechtzuerhalten.

Gewinne vor Kontrolle

Über Jahre hinweg war „Russians With Attitude“ offen auf Diensten wie Patreon, Spotify und Apple Podcasts aktiv. Recherchen zeigen, dass allein die Patreon-Seite rund 5.600 Follower anzog, darunter etwa 1.100 zahlende Abonnenten.

Bei Einstiegspreisen von 5,50 € wurden die monatlichen Einnahmen auf über 6.000 € geschätzt. Trotz Regeln, die die Unterstützung sanktionierter Akteure einschränken, blieb das Konto bis zum 27. März 2026 aktiv, als Patreon es entfernte, nachdem Beweise für Spendenaktionen zugunsten russischer Militäreinheiten vorgelegt worden waren.

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Die Episode unterstreicht ein wiederkehrendes Durchsetzungsproblem: Plattformen handeln oft erst nach externer Berichterstattung statt durch proaktive Erkennung.

Botschaftskette

Der Podcast präsentierte sich als Kommentierungsprojekt zur russischen Geschichte und Politik, doch sein Tonfall lag eng an den Narrativen des Kremls. Das Publikum war überwiegend englischsprachig, mit einem erheblichen Anteil in den Vereinigten Staaten.

Episoden und Kooperationen erweiterten seine Reichweite in rechtsextreme Online-Communities. Zu den Gästen gehörten Persönlichkeiten wie Alexander Dugin, während seine Botschaften Themen widerspiegelten, die vom finnischen Forscher Jussi Lassila identifiziert wurden, der dokumentiert hat, wie nationalistische Netzwerke Ideologie mit Medienstrategie verbinden.

In einer Episode sagte „Kirill“: „Ich würde es einfach verbieten. Es ist schlicht unhöflich. Ich weiß nicht, es verstößt gegen grundlegende menschliche Anständigkeit. Diese Sprache ist eine Beleidigung.“

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Identitäten aufgedeckt

Die Untersuchung identifizierte die Hosts mithilfe von Open-Source-Intelligence-Methoden als Kirill Kamenetsky und Eldar Orlow.

Analysten verknüpften E-Mail-Adressen, Telefondaten und archivierte Konten und glichen diese anschließend mit persönlichen Angaben aus Podcast-Episoden ab.

Kamenetsky hatte in Deutschland gelebt, bevor er 2025 nach Russland zurückkehrte, während Orlow aus Jekaterinburg operierte. Beide waren lange vor dem Start des Podcasts in nationalistischen Online-Kreisen aktiv.

Die Recherchen ergaben außerdem, dass sie Spendenaktionen zugunsten russischer Militäreinheiten beworben hatten, darunter auch sanktionierte Gruppen wie Rusich, wobei einige Beiträge später im Zuge verstärkter Aufmerksamkeit gelöscht wurden.

Nach dem Verlust des Zugangs zu Patreon wechselten die Hosts zu alternativen Plattformen und schrieben: „Wir geben nicht auf. Russen kapitulieren nicht.“

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Der Fall verdeutlicht eine anhaltende Regulierungslücke: Selbst wenn sie von einer Plattform entfernt werden, können sich politisch ausgerichtete Akteure schnell andernorts neu etablieren und sowohl Einnahmequellen als auch Einfluss aufrechterhalten.

Quellen: Kyiv Independent, TUA Research