Die scheidende US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard hat Dokumente über von den USA finanzierte biologische Labore veröffentlicht, darunter Einrichtungen in der Ukraine, und damit Vorwürfe wieder aufgegriffen, die Kritiker als Spiegelbild längst widerlegter russischer Narrative betrachten.
Die scheidende Direktorin der US-Geheimdienste, Tulsi Gabbard, hat freigegebene Dokumente zu biologischen Forschungseinrichtungen veröffentlicht, die von den Vereinigten Staaten finanziert wurden, darunter auch Labore in der Ukraine. Damit wurde eine Debatte neu entfacht, die seit Beginn des Krieges im Zentrum russischer Desinformationskampagnen steht.
Die Veröffentlichung hat Kritik von Analysten und Journalisten ausgelöst, die argumentieren, dass die Vorwürfe langjährigen Narrativen des Kremls ähneln.
Dokumente veröffentlicht
Laut United24Media hat das Office of the Director of National Intelligence (ODNI) Dokumente zu mehr als 120 biologischen Forschungseinrichtungen in über 30 Ländern veröffentlicht, die US-Finanzierung erhalten haben.
Das ODNI erklärte, dass einige der Labore mit gefährlichen Krankheitserregern gearbeitet hätten, und behauptete, Informationen über deren Aktivitäten seien der Öffentlichkeit nicht vollständig offengelegt worden.
Zu den genannten Einrichtungen gehörte auch ein von den USA finanziertes Labor in der Ukraine, das nach Angaben der Behörde gefährliche Erreger gelagert habe und während der russischen Vollinvasion verwundbar gewesen sein könnte.
Die veröffentlichten Dokumente enthielten jedoch keine detaillierten Belege für angeblich kontroverse Forschungsaktivitäten.
Umstrittene Vorwürfe
In einer Erklärung zur Veröffentlichung warf Gabbard Regierungsvertretern und Gesundheitsexperten vor, die Öffentlichkeit über die Existenz und den Zweck der Labore getäuscht zu haben.
„Trotz des offensichtlichen Potenzials für katastrophale globale Auswirkungen haben Politiker, sogenannte Gesundheitsexperten wie Dr. Fauci und Mitglieder der Biden-Regierung das amerikanische Volk über die Existenz dieser Labore belogen“, sagte sie.
Laut United24Media deutete Gabbard außerdem an, dass einige Einrichtungen sogenannte Gain-of-Function-Forschung betrieben haben könnten, die ihrer Darstellung nach gefährliche Krankheitserreger betreffen könnte.
Das ODNI kündigte an, dass die US-Geheimdienste die Überwachung biologischer Forschungseinrichtungen im Ausland verstärken würden.
Kritische Reaktionen
Die Veröffentlichung stieß rasch auf Kritik von Beobachtern, die sowohl den Zeitpunkt als auch die Präsentation der Dokumente infrage stellten.
Laut United24Media enthielt die beigefügte Karte mehrere geografische Fehler, darunter eine falsche Positionierung von Kyjiw sowie Verweise auf die Krim als Standort eines ukrainischen Labors.
Der Geschäftsführer von Bellingcat, Christo Grozev, argumentierte, die Veröffentlichung liefere dem Kreml faktisch „eine weitere Informationsoperation“.
Langjähriges Narrativ
Behauptungen über angebliche US-Biowaffenprogramme in der Ukraine kursieren seit Jahren und wurden wiederholt von russischen Regierungsvertretern verbreitet.
Laut United24Media unter Berufung auf Radio Free Europe/Radio Liberty waren viele der in den US-Dokumenten genannten Labore Teil von Programmen zur Bedrohungsreduzierung nach dem Kalten Krieg. Diese sollten ehemalige sowjetische biologische Infrastruktur sichern und die Überwachung von Krankheiten verbessern.
US-Regierungsvertreter haben stets betont, dass die Zusammenarbeit mit ukrainischen Laboren auf öffentliche Gesundheit, Krankheitsüberwachung und die Erkennung biologischer Bedrohungen ausgerichtet gewesen sei.
Im Jahr 2023 warf das US-Außenministerium Russland vor, Desinformationskampagnen über biologische Waffenprogramme in der Ukraine zu verbreiten, um die Invasion zu rechtfertigen und die internationale Unterstützung für Kyjiw zu schwächen.
Quellen: United24Media, Office of the Director of National Intelligence, Radio Free Europe/Radio Liberty, Bellingcat