Tief in den tropischen Regenwäldern bleiben unzählige Geheimnisse unter herabgefallenen Blättern und Erde verborgen.
Die Entdeckung unbekannter Kreaturen erfordert oft jahrelange mühsame Suchen in unwegsamem Gelände. Doch manchmal ergeben sich bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche aus der Untersuchung alter Exemplare, die auf staubigen Museumsregalen lagern, berichtet DR News.
Direkt vor unseren Augen verborgen
Ein internationales Wissenschaftlerteam hat auf der Insel Madagaskar sieben neue Froscharten entdeckt und beschrieben. Laut DR News gehören die neu identifizierten Amphibien zur Gattung Rhombophryne, die gemeinhin als Diamantfrösche bekannt ist.
Diese kleinen Kreaturen verbringen den Großteil ihres Lebens verborgen unter dem Waldboden, was sie bei Feldstudien äußerst schwer auffindbar macht.
Dr. Mark D. Scherz, Kurator für Herpetologie am Dänischen Naturkundemuseum und Hauptautor der Studie, erklärte, wie leicht diese Tiere unbemerkt bleiben. „Die Vielfalt der Diamantfrösche hat sich direkt unter unseren Füßen verborgen gehalten“, so Scherz.
Der Durchbruch offenbart, dass Madagaskars geheimnisvollste Amphibiengruppe eine weitaus größere Artenvielfalt birgt, als Experten zuvor angenommen hatten.
Ein altes Rätsel entschlüsseln
Die Lösung des wissenschaftlichen Rätsels erforderte zwölf Jahre Arbeit. Forscher stießen bei Feldexkursionen immer wieder auf unbekannte Frösche, doch die Zuordnung neuer Funde zu historischen Aufzeichnungen erwies sich als frustrierend schwierig.
Die Entschlüsselung dieser historischen Aufzeichnungen nahm Zeit in Anspruch. Scherz bemerkte: „Einige waren relativ einfach zu beschreiben, während andere aufgrund der Unsicherheit bezüglich älterer Artbeschreibungen kompliziert waren. Es stellte sich als ein Rätsel heraus, dessen Lösung viele Jahre dauerte.“
Der entscheidende Durchbruch gelang durch die Museomik, eine Technik, bei der Wissenschaftler DNA aus historischen Museumsproben sequenzieren. Durch die Kombination genetischer Daten von konservierten Exemplaren mit frischem Feldmaterial konnten Forscher alte Artnamen erfolgreich ihren wahren evolutionären Stammbäumen zuordnen.
Lehren aus der Vergangenheit
Museumsarchive spielten eine entscheidende Rolle bei der Lösung des jahrzehntelangen Rätsels.
Dr. Alice Petzold von der Universität Potsdam, die die genetische Analyse leitete, betonte die Bedeutung konservierter Sammlungen. „Naturhistorische Sammlungen sind weit mehr als Archive der Vergangenheit; sie sind entscheidende wissenschaftliche Ressourcen für unser heutiges Verständnis der Biodiversität“, erklärte Petzold.
Auch nachdem sieben neue Arten in die Bücher aufgenommen wurden, bleiben Forscher zuversichtlich, dass sich noch weitere unentdeckte Frösche in Madagaskars Wildnis verbergen.
Quellen: DR News, Danish Natural History Museum, University of Potsdam