Das Weiße Haus veröffentlichte während einer im Fernsehen übertragenen Ansprache zur Wahlsicherheit umfangreich geschwärzte Geheimdienstunterlagen. Das Material lieferte zusätzliche Details zu bereits bekannten Bedenken, untermauerte jedoch nicht die weitreichendsten Vorwürfe des Präsidenten.
Präsident Donald Trump nutzte eine 25-minütige Ansprache aus dem Weißen Haus, um kürzlich freigegebene Geheimdienstunterlagen als Beleg für schwerwiegende Schwächen des US-Wahlsystems zu präsentieren.
Viele der Dokumente waren umfangreich geschwärzt. Nach Angaben von NPR zeigten sie weder, dass betrügerische Stimmzettel abgegeben worden waren, noch dass ausländische Akteure die Wählerregistrierung, die Stimmabgabe, die Stimmenauszählung oder die Bekanntgabe der Wahlergebnisse bei der Präsidentschaftswahl 2020 manipuliert hatten.
Trump erklärte, die Veröffentlichungen hätten Versäumnisse offengelegt, die der Öffentlichkeit bislang verborgen geblieben seien. Zudem wiederholte er Vorwürfe zum Wahlergebnis von 2020, die weder durch Nachzählungen, Prüfungen, offizielle Untersuchungen noch durch Gerichtsverfahren bestätigt wurden.
Was die Unterlagen enthalten
Der Präsident erklärte, China habe im Vorfeld der Wahl rund 220 Millionen Datensätze von US-Wählern erlangt. Ein Teil der Informationen zur Wählerregistrierung ist über Datenbanken der Bundesstaaten öffentlich zugänglich – ein Umstand, der auch in den veröffentlichten Unterlagen erwähnt wird.
Eine Einschätzung der US-Geheimdienste aus dem Jahr 2021 kam zu dem Schluss, dass China wahrscheinlich weiterhin Informationen über amerikanische Wähler, die öffentliche Meinung, politische Parteien und Regierungsvertreter sammelte. Sie enthielt keine Hinweise darauf, dass China oder ein anderer ausländischer Akteur technische Bestandteile des Wahlprozesses verändert hatte.
Das Weiße Haus verwies außerdem auf Schwachstellen bei Geräten zur Stimmenauszählung. Geoff Hale vom Center for Democracy and Technology hat betont, dass solche Sicherheitslücken Aufmerksamkeit verdienen, zugleich jedoch davor gewarnt, ihre bloße Existenz als Beweis dafür zu werten, dass sie tatsächlich ausgenutzt wurden.
Eine weitere Behauptung betraf mutmaßliche Registrierungen von Personen ohne US-Staatsbürgerschaft in Kalifornien, Pennsylvania, New Jersey und Nevada. Die Regierung veröffentlichte keine detaillierte Erklärung dazu, wie die Gesamtzahl berechnet wurde. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Datenbanken zum Staatsbürgerschaftsstatus fehlerhafte Übereinstimmungen liefern können, während bestätigte Fälle einer Stimmabgabe durch Personen ohne US-Staatsbürgerschaft weiterhin selten sind, berichtete NPR.
Trump setzt den Kongress unter Druck
Trump nutzte die Rede, um seine Forderung nach einer Verabschiedung des SAVE America Act durch den Kongress zu erneuern. Er bezeichnete das Gesetz als zentralen Bestandteil seiner Antwort auf die von ihm beschriebenen Schwächen des US-Wahlsystems. Der Gesetzentwurf würde einen dokumentierten Nachweis der Staatsbürgerschaft bei der Wählerregistrierung sowie einen Identitätsnachweis bei der Stimmabgabe verlangen.
Befürworter argumentieren, die Anforderungen würden das Vertrauen in die Durchführung von Wahlen stärken. Kritiker entgegnen, das Gesetz könne zusätzliche Hürden für Wahlberechtigte schaffen, die nicht unmittelbar über die erforderlichen Dokumente verfügen.
Der Senator aus Virginia, Mark Warner, erklärte laut The Guardian, der Präsident habe Behauptungen wiederholt, die bereits von Geheimdiensten, Strafverfolgungsbehörden und Wahlverantwortlichen geprüft worden seien. Seine Reaktion spiegelte die breitere Kritik wider, wonach die Ansprache auf seit Langem umstrittenen Behauptungen statt auf neuen, belastbaren Beweisen beruhte.
Auch China wies den Vorwurf zurück, sich in die Wahl eingemischt zu haben. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft erklärte: „China hat sich stets an den Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder gehalten.“
Der Gesetzentwurf blieb das deutlichste politische Ziel der Ansprache. Zwar lieferten die veröffentlichten Unterlagen zusätzliche Details zu bestehenden Bedenken hinsichtlich ausländischer Aktivitäten und der Wahlsicherheit, sie schlossen jedoch nicht die Beweislücken rund um Trumps weitergehende Behauptungen und zeigten nicht, dass der Wahlprozess von 2020 manipuliert worden war.
Quellen: NPR, The Guardian