Startseite Politik Historiker warnt: Trumpismus zeigt bekannte faschistische Züge

Historiker warnt: Trumpismus zeigt bekannte faschistische Züge

Supporters of Donald Trump outside the US Capitol on January 6, 2021
Thomas Hengge / Shutterstock.com

Das derzeitige politische Klima in den Vereinigten Staaten wird durch die Linse der Geschichte betrachtet. Die Warnung konzentriert sich auf Rhetorik, Institutionen und wiederkehrende Muster, die Wissenschaftler mit faschistischen Bewegungen und dem Zusammenbruch demokratischer Systeme in Verbindung gebracht haben.

In einem kürzlich veröffentlichten YouTube-Video argumentiert der niederländische Historiker Rutger Bregman, dass Amerikas politische Krise einen Punkt erreicht habe, an dem das Wort „Faschismus“ nicht länger vermieden werden könne.

Bregman sagt, der Begriff bleibe schwer zu verwenden, weil er für viele Menschen untrennbar mit dem Holocaust, Nazi-Deutschland und der Ermordung von sechs Millionen Juden verbunden sei.

Diese Vorsicht sei, so sagt er, verständlich. Doch seiner Ansicht nach könne die Angst, die Gefahr zu übertreiben, selbst zu einem Risiko werden, wenn sie Menschen daran hindere, ein politisches Muster zu erkennen, während es sich entwickelt.

Der Vergleich ist weiterhin höchst umstritten, insbesondere unter jenen, die der Meinung sind, das Wort solle den Regimen des Europas des 20. Jahrhunderts vorbehalten bleiben. Bregman stellt seine Argumentation als historische Warnung dar.

Warnsignale

Ein zentraler Bezugspunkt ist Robert Paxton, der amerikanische Historiker, der für seine Arbeit zum Faschismus bekannt ist. Paxton hatte lange gezögert, die Bezeichnung auf den Trumpismus anzuwenden, änderte seine Haltung jedoch nach dem Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021.

Paxton sagte in einem Interview, der Angriff auf das Kapitol „beseitige meinen Einwand gegen die faschistische Bezeichnung“. Seine Kehrtwende hatte Gewicht, weil er jahrzehntelang zu Vorsicht im Umgang mit dem Begriff gemahnt hatte.

Faschismus ist nach Bregmans Lesart keine einzelne starre Formel. Er ist ein Muster, das unterschiedliche nationale Formen annehmen kann, dabei aber erkennbare Machtgewohnheiten beibehält.

Zu diesen Gewohnheiten gehört es, den Anhängern zu sagen, das Land sei seiner Größe beraubt worden, innere Feinde seien schuld daran, und gewöhnliche demokratische Verfahren seien zu schwach, um den Schaden zu beheben. Bregman ordnet Trumps Slogan „Make America Great Again“ in diese Tradition ein.

Demokratie unter Druck

Der niederländische Historiker verweist auch auf Rachepolitik, Verachtung für vermeintliche Schwäche, Feindseligkeit gegenüber Einwanderern und politischen Gegnern sowie die Darstellung eines einzelnen Anführers als einzigartig befähigt, die Nation zu retten.

Er nennt Trumps Aussagen „I am your retribution“ und „I alone can fix it“ als Beispiele für diesen politischen Stil.

Seine Warnung beschränkt sich nicht auf die Sprache des Wahlkampfs. Er konzentriert sich auch darauf, was geschieht, wenn eine Bewegung mit solchen Instinkten der Staatsmacht nahekommt oder sie innehat.

In seiner Darstellung sind Druck auf Beamte, Angriffe auf Universitäten und Journalisten, Loyalitätsforderungen und die Schwächung unabhängiger Institutionen Teil derselben Gefahr. Sie zeigen, wie eine Demokratie ausgehöhlt werden kann, während viele ihrer formalen Strukturen bestehen bleiben.

Um diesen Prozess zu erklären, verweist Bregman auf Paxtons Essay „The Five Stages of Fascism“.

Paxtons Rahmen versteht Faschismus nicht nur als Ideologie, sondern als Abfolge, in der Politik der Kränkung zu einer Bewegung werden, in die Regierung eintreten und anschließend den Staat umformen kann.

Enges Zeitfenster

Bregman argumentiert, dass sich die Vereinigten Staaten nun in einer gefährlichen Phase dieser Abfolge befänden.

Seine Warnung lautet nicht einfach, dass Trump extreme Sprache verwendet habe, sondern dass Rhetorik, Institutionen, Bündnisse mit Eliten und politische Gewalt beginnen, sich gegenseitig zu verstärken.

Er sagt, das Erkennen dieses Musters sollte Gegner autoritärer Politik zu breiten Bündnissen, Wahlarbeit und weniger internen Reinheitsprüfungen bewegen.

Das Argument wird weiterhin umstritten bleiben. Doch Bregmans Botschaft lautet, dass Empörung keine Strategie ist. Das Muster müsse, so argumentiert er, früh genug erkannt werden, damit sich demokratische Gegner dagegen organisieren können.

Quellen: Rutger Bregman-Video auf YouTube, Robert Paxton – The Five Stages of Fascism.