Der Konflikt um Grönland ist für Friedrich Merz mehr als eine kurzfristige transatlantische Verstimmung. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos stellte der Bundeskanzler den Streit in einen größeren Zusammenhang – als Beispiel dafür, wie schnell geopolitische Gewissheiten ins Wanken geraten können.
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Merz bezog sich zunächst auf die jüngsten Signale aus Washington. Wie Die Zeit berichtet, begrüßte er die Abkehr von Zolldrohungen und militärischen Besitzforderungen gegenüber Grönland. Gewalt gegen europäisches Territorium sei inakzeptabel, ebenso Maßnahmen, die die Grundlagen transatlantischer Beziehungen beschädigten.
Nach Angaben von DW unterstützt Merz Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland. Er teile sicherheitspolitische Sorgen im arktischen Raum, betonte jedoch die Solidarität mit Dänemark und der Bevölkerung Grönlands.
Macht ersetzt Regeln
Im Anschluss weitete Merz seine Ausführungen auf die internationale Lage aus. Er sieht die internationale Ordnung in rasantem Wandel. Großmächte handelten zunehmend nach Logiken von Stärke und Durchsetzungskraft, nicht nach gemeinsam gesetzten Regeln.
Wie DW berichtet, verwies Merz dabei auf Deutschlands eigene Geschichte. Eine Welt, in der Macht das entscheidende Kriterium sei, habe sich bereits als gefährlich erwiesen – zunächst für kleinere Staaten, am Ende auch für die großen Akteure selbst.
Warum die Nato bleibt
Trotz der Spannungen mit den USA warnte Merz davor, die Nato infrage zu stellen, wie DW berichtet. Er argumentierte, dass Demokratien gerade im Wettbewerb der Systeme auf verlässliche Partnerschaften angewiesen seien. Die Allianz sei kein Relikt, sondern ein strategischer Vorteil – auch für Washington.
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Zugleich machte Merz deutlich, dass Vertrauen kein Selbstläufer sei. Europas Partner müssten zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen und sicherheitspolitisch handlungsfähig bleiben.
Europas Kalkül
Hier setzte der Kanzler seine politische Botschaft. Wie Die Zeit berichtet, kündigte Merz an, Deutschlands Engagement in Verteidigung, Wirtschaftskraft und im arktischen Raum auszubauen. Europa müsse eigenständiger auftreten, ohne sich von den USA abzuwenden.
Analytisch zielt Merz damit auf zwei Adressaten: an Washington sendet er das Signal, dass Europa Kooperation erwartet, aber Grenzüberschreitungen nicht hinnimmt; innerhalb der EU positioniert er Deutschland als treibende Kraft für strategische Eigenständigkeit.
Grönland wird so zum Symbol einer größeren Frage: ob Europa in einer Welt der Machtpolitik Gestalter oder Zuschauer bleibt.
Quellen: Die Zeit, DW