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Russische und sowjetische Symbole bei Gedenken an den Zweiten Weltkrieg eingeschränkt

Berlin, Germany. May 9th, 2022. Policemen and -women watching and guarding Russian demonstrators at the Soviet War Memorial in Tiergarten, Berlin. At the top a statue of a Soviet soldier.
Lars-Goran Heden / Shutterstock.com

Die Berliner Polizei wird auch in diesem Jahr russische, sowjetische und damit verbundene Symbole bei mehreren Gedenkveranstaltungen zum Zweiten Weltkrieg am 8. und 9. Mai einschränken. Zur Begründung verweist sie auf die Sorge vor Einschüchterungen und Auseinandersetzungen an großen sowjetischen Ehrenmalen. Die Entscheidung hat in Moskau Empörung ausgelöst und in Deutschland erneut die Debatte darüber angefacht, wie das Gedenken an den Krieg angesichts des fortdauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gestaltet werden soll.

Die Beschränkungen gelten im Umfeld sowjetischer Gedenkstätten in Berlin, darunter im Treptower Park, im Tiergarten und in der Schönholzer Heide, wie aus polizeilichen Verfügungen hervorgeht, auf die sich United24 Media beruft.

Betroffen sind demnach russische, belarussische, sowjetische und tschetschenische Flaggen, Militäruniformen, militärische Abzeichen, Georgsbänder sowie die Buchstaben „Z“ und „V“, die weithin mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in Verbindung gebracht werden.

Auch russische Militärlieder und Märsche sollen eingeschränkt werden. Gleiches gilt für Karten oder Symbole, die besetzte ukrainische Gebiete als Teil Russlands darstellen.

Das unabhängige Medium berichtet, dass ukrainische Symbole nach Appellen ukrainischer Organisationen in Deutschland nicht von dem Verbot erfasst sind.

Die Berliner Polizei erklärte, größere Versammlungen an den Ehrenmalen könnten zu Konfliktpunkten zwischen rivalisierenden politischen Gruppen werden. Zudem müssten Symbole, die früher als historische Darstellungen gewertet worden seien, heute vor dem Hintergrund des aktuellen Krieges und der großen Zahl ukrainischer Geflüchteter in der Stadt beurteilt werden.

Moskau protestiert

Die russische Botschaft in Deutschland verurteilte die Entscheidung in einer von Digi24 zitierten Erklärung und bezeichnete das Vorgehen Berlins als „absurd“ und „zynisch“.

Die Botschaft erklärte, die Maßnahmen zielten „ausschließlich darauf ab, den Nachkommen sowjetischer Befreiersoldaten, besorgten Bürgern und Berlin-Besuchern das Recht zu nehmen, den Jahrestag der Zerschlagung des Nationalsozialismus in würdiger Form zu begehen“.

Sie forderte die Aufhebung der Beschränkungen und rief Deutschland dazu auf, die Verbrechen der Nationalsozialisten „als Völkermord an den Völkern der Sowjetunion“ anzuerkennen.

Die Reaktion der Botschaft entspricht der seit Langem vertretenen russischen Position, dass das Gedenken zum Tag des Sieges weiterhin auf die Rolle der Sowjetunion bei der Niederlage NS-Deutschlands ausgerichtet bleiben sollte.

Berlins aktueller Umgang damit ordnet diese Geschichte jedoch in einen deutlich sensibleren sicherheitspolitischen Kontext der Gegenwart ein.

Streit um das Kriegsgedenken

In Defence of Communism kritisierte die Beschränkungen als Angriff auf die sowjetische antifaschistische Geschichte und warf den deutschen Behörden vor, die Rolle der Roten Armee bei der Niederlage des Nationalsozialismus zu schmälern.

Sicherheitsanalysten des Robert Lansing Institute vertreten eine andere Sicht. Sie argumentieren, Moskau nutze die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, sowjetische Symbole und Veranstaltungen der Diaspora als Instrumente politischer Einflussnahme in Europa.

Dieser Gegensatz steht nun im Zentrum der Berliner Auseinandersetzung. Für Kritiker des Verbots stehen sowjetische Symbole für Opferbereitschaft und Befreiung. Für die deutschen Behörden können dieselben Zeichen zugleich politische Signale sein, die mit dem aktuellen Krieg Russlands verbunden sind.

Seit Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine behandeln deutsche Behörden bestimmte Darstellungen aus der Sowjetzeit nicht mehr ausschließlich als Akte des Gedenkens, sondern auch als mögliche politische Symbole.

Quellen: Digi24, United24 Media, In Defence of Communism, Robert Lansing Institute.