Die Ukraine erklärt, Russland sei vom Zugang zu Starlink abgeschnitten worden und könnte Gefangene sowie deren Familien unter Druck setzen, um ihn zurückzuerlangen – ein Hinweis auf die wachsende strategische Bedeutung von Satelliteninternet im Krieg.
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Ein Streit über Satelliteninternet ist zum jüngsten Konfliktpunkt im Krieg zwischen Moskau und Kyjiw geworden.
Ukrainische Beamte behaupten nun, Russland bemühe sich eilig um Zugang zu einem System, das es einst zu stören versuchte.
Das ukrainische Verteidigungsministerium erklärte, man habe im vergangenen Monat eine Vereinbarung mit SpaceX getroffen, um den russischen Zugang zu Starlink auf ukrainischem Staatsgebiet zu blockieren, nachdem festgestellt worden sei, dass russische Streitkräfte das Satellitennetzwerk zur Steuerung von Angriffs- und Aufklärungsdrohnen nutzten.
Starlink, betrieben von Elon Musks Unternehmen, stellt schnelles und widerstandsfähiges Internet bereit, indem Signale dynamisch zwischen Satelliten weitergeleitet werden. Das System gilt als schwer auszuschalten und ist besonders in Kampfgebieten wertvoll.
Zugang gekappt
Gemäß der Vereinbarung müssen Geräte, die in der Ukraine betrieben werden, auf einer offiziellen Whitelist registriert sein – entweder online oder in kommunalen Servicezentren unter Vorlage eines Ausweises. Die Maßnahme folgt auf umfassendere Beschränkungen, die SpaceX bereits innerhalb Russlands eingeführt hatte.
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Kyjiw sagt, die Einschränkungen hätten russischen Streitkräften einen wichtigen operativen Vorteil genommen.
Serhii „Flash“ Beskrestnov, Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, behauptete, Moskau versuche nun, durch Zwangstaktiken wieder Zugang zu erhalten.
„Für den Feind ist Starlink so wichtig, dass er ein ganzes Netzwerk eingesetzt hat, um Verräter zu finden, die bereit sind, Starlink eigenständig über den zentralen Verwaltungsdienst registrieren zu lassen“, schrieb er auf Telegram.
Vorwürfe der Nötigung
Laut einem Bericht von Business Insider erklärten ukrainische Beamte, russische Soldaten hätten in einigen Fällen bis zu 230 US-Dollar angeboten, um ein einzelnes Terminal registrieren zu lassen. Zudem habe es angeblich „Drohungen und Forderungen zur offiziellen Registrierung von Starlink-Terminals“ gegenüber Angehörigen von Kriegsgefangenen gegeben.
Sollten sich diese Angaben bestätigen, würde dies auf einen dringenden Bedarf an stabiler Gefechtsfeldkonnektivität hindeuten, insbesondere da Drohnenkriegsführung auf beiden Seiten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
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Russland hat die Vorwürfe bislang nicht öffentlich bestätigt.
Strategische Auswirkungen
Die Bedeutung von Starlink reicht über die Ukraine hinaus. Auch China betrachtet das Netzwerk angesichts der Spannungen um Taiwan mit Skepsis, was verdeutlicht, wie sehr satellitengestützte Konnektivität zu einem strategischen Faktor moderner Kriegsführung geworden ist.
Für Moskau könnte der Verlust eines verlässlichen Zugangs die Koordination und den Drohneneinsatz erschweren – zu einem Zeitpunkt, an dem Technologie den Verlauf des Schlachtfelds maßgeblich beeinflusst.
Ob das angebliche Ringen um Starlink auf eine vorübergehende Störung oder auf tiefere Probleme innerhalb der russischen Kriegsführung hindeutet, bleibt unklar. Der Vorfall unterstreicht jedoch, wie entscheidend die Kontrolle über digitale Infrastruktur geworden ist – und wie weit Akteure gehen könnten, um sie zu sichern.
Quellen: Erklärungen des ukrainischen Verteidigungsministeriums; Business Insider; elEconomista.es