Es mag höflich erscheinen zu warten, doch tatsächlich scheint es bei anderen Unbehagen auszulösen.
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Wenn Sie im Restaurant sind, beginnen Sie sofort zu essen, sobald Ihr Gericht serviert wird? Oder warten Sie, bis alle am Tisch einen Teller vor sich haben?
Soziale Normen schreiben vor, dass wir warten sollten – was auch sinnvoll erscheint, denn ein Essen ist ein soziales Erlebnis und sollte von allen am Tisch gemeinsam geteilt werden.
Doch möglicherweise sollten wir diese Norm über Bord werfen und mit dem Essen beginnen, sobald das eigene Gericht vor uns steht.
Neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Servieren von Mahlzeiten zu unterschiedlichen Zeiten das soziale Unbehagen verstärken und den Genuss mindern kann – auch wenn Gäste glauben, sie verhielten sich lediglich höflich.
Die Studie untersuchte ein vertrautes Szenario: Eine Person erhält ihr Essen zuerst und zögert, unsicher, ob sie mit dem Essen beginnen soll.
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Obwohl die Regel des Wartens weithin bekannt ist, wollten die Forschenden herausfinden, wie Menschen diese Situation tatsächlich erleben.
Eine gemeinsame soziale Regel
Laut einer in der Fachzeitschrift Appetite veröffentlichten Studie verspüren die meisten Restaurantgäste einen starken inneren Druck zu warten, wenn ihr Essen vor dem der anderen serviert wird.
Die Forschenden führten sechs Experimente durch, in denen sich die Teilnehmenden vorstellten, mit einer Freundin oder einem Freund essen zu gehen. Einige stellten sich vor, zuerst bedient zu werden, andere, während sie selbst noch warteten, das Essen ihres Gegenübers serviert zu sehen.
Diejenigen, die zuerst bedient wurden, wurden gefragt, wie verpflichtet sie sich fühlten zu warten. Die noch Wartenden wurden gefragt, was sie glaubten, wie sich ihre Essbegleitung verhalten sollte.
Die Selbst–Fremd-Lücke
Die Ergebnisse zeigten eine durchgängige Diskrepanz. Personen, die sich vorstellten, zuerst bedient zu werden, empfanden deutlich mehr Unbehagen beim Gedanken, mit dem Essen zu beginnen, als sie glaubten, dass andere sich in derselben Situation fühlen würden.
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Weitere Experimente zeigten, dass die Teilnehmenden erwarteten, sich selbst schlechter zu fühlen, wenn sie die Norm brechen, als sie es anderen zutrauten. Selbst wenn ihnen ausdrücklich gesagt wurde, dass ihre Begleitung sie zum Essen aufgefordert habe, fühlten sich viele weiterhin unwohl.
Warum das Unbehagen anhält
Laut Science Daily erklärte Professorin Janina Steinmetz: „Die Entscheidung, wann man in Gesellschaft anderer mit dem Essen beginnt, ist ein sehr verbreitetes Dilemma. Die Einhaltung sozialer Normen schreibt vor, dass wir warten, bis alles serviert ist, und davon abzuweichen fühlt sich für uns unhöflich und respektlos an.“
Sie fügte hinzu, dass Gäste sich stärker auf ihre eigenen inneren Gefühle konzentrieren als darauf, was andere tatsächlich denken könnten.
Über den Esstisch hinaus
Professorin Irene Scopelliti sagte, das Problem spiegele umfassendere psychologische Muster wider. „Dabei geht es nicht nur um Höflichkeit, sondern um psychologischen Zugang“, sagte sie laut Science Daily.
Die Forschenden argumentieren, dass Restaurants und andere Dienstleistungsanbieter diese Dynamiken berücksichtigen sollten.
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Gruppen zu deutlich unterschiedlichen Zeiten zu bedienen mag zwar die Effizienz erhöhen, kann für Kundinnen und Kunden jedoch auch unnötiges Unbehagen verursachen.
Quellen: Appetite, Bayes Business School, Science Daily