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Vom Zufall zum Zusatzprodukt: Der freie Nachbarsitz im Flugzeug

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Volle Kabinen, steigende Kosten und ein wachsender Wunsch nach Komfort verändern den Flugalltag. Was früher Zufall war, wird zunehmend planbar – allerdings gegen Aufpreis. Fluggesellschaften suchen neue Wege, um selbst kleine Freiräume wirtschaftlich zu nutzen.

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Dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit. Der Verkauf von Zusatzleistungen ist für Airlines längst ein zentrales Mittel geworden, um Erlöse zu steigern.

Zusatzumsätze im Fokus

Nach der Pandemie hat sich der Druck auf Airlines verschärft, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Neben Gepäckgebühren oder Sitzplatzwahl rückt nun auch der freie Nachbarsitz in den Fokus, wie Euronews berichtet.

Eine von Virgin Australia zitierte Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigt das Potenzial: 42 Prozent der Befragten würden demnach zahlen, um den Mittelsitz frei zu halten. Auch auf längeren Inlandsflügen signalisierten viele Bereitschaft für einen Aufpreis.

Fester Preis oder Auktion

Die Branche testet unterschiedliche Modelle. Einige Airlines setzen auf klar bepreiste Komfortpakete, andere auf Auktionen, bei denen Kunden um den zusätzlichen Platz bieten.

Euronews beschreibt diese Ansätze als Versuch, die Zahlungsbereitschaft möglichst flexibel auszunutzen – abhängig von Strecke, Auslastung und Nachfrage kurz vor Abflug.

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Wizz Air und die Pakete

Der ungarische Billigflieger Wizz Air hat mit „Wizz Class“ ein Premium-Angebot eingeführt. Passagiere erhalten einen Fenster- oder Gangplatz und können den benachbarten Mittelsitz blockieren.

Zum Paket gehören außerdem mehr Beinfreiheit, Priority Boarding, zusätzliches Handgepäck sowie ein Snack und ein alkoholfreies Getränk. Das Angebot gilt laut Euronews auf ausgewählten Strecken von und nach Städten wie Budapest, London oder Rom.

Netzwerkairlines als Vorbild

Auch klassische Netzwerkairlines sind aktiv. Air France erlaubt es, beim Check-in mehrere Nachbarsitze freizuhalten, abhängig von Verfügbarkeit und Strecke.

Lufthansa bietet mit „Free Neighbour Seat“ und der kostenpflichtigen „Sleeper’s Row“ ähnliche Optionen an. Für längere Flüge können ganze Sitzreihen inklusive Schlafzubehör gebucht werden, wie Euronews berichtet.

Geteilte Economy Klasse

Mit diesen Angeboten verändert sich jedoch auch die klassische Economy-Kabine. Wo früher alle Passagiere ähnliche Bedingungen hatten, entstehen zunehmend Komfortstufen innerhalb derselben Klasse.

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Gleichzeitig zeigen die Modelle, wie stark Airlines darauf setzen, individuelle Zahlungsbereitschaft auszuschöpfen. Ob der freie Nachbarsitz langfristig zum Standard-Extra wird oder nur eine Nische bleibt, dürfte davon abhängen, wie viele Reisende bereit sind, für etwas mehr Raum dauerhaft tiefer in die Tasche zu greifen.

Quelle: Euronews