Armenien erwägt Verbot russischer Fernsehsender

Peter Zeifert

10 Wochen vor

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08/05/2024
Welt
Foto: Vladimir Tretyakov / Shutterstock.com
Foto: Vladimir Tretyakov / Shutterstock.com
Armenien erwägt Verbot russischer Fernsehsender.

Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan droht damit, russische Fernsehsender zu verbieten, sollten diese nicht zu einer fairen und respektvollen Berichterstattung über armenische Angelegenheiten übergehen.

Während einer Pressekonferenz, die von Interfax abgedeckt wurde, äußerte Paschinjan seine Erwartungen klar und deutlich:

„Wir erwarten, dass die Übertragungen der russischen Fernsehkanäle die Bürger und das Staatssystem Armeniens respektieren“, betonte er die Notwendigkeit einer „respektvollen Haltung gegenüber Armenien und seinen Interessen.“

Angespannte Beziehungen und Medienangriffe

Die Beziehungen zwischen Russland und Armenien sind angespannt, insbesondere nachdem es Moskau nicht gelungen ist, die Übernahme der Region Bergkarabach durch Aserbaidschan im letzten Herbst zu verhindern – einer Region, die seit dem Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien im Jahr 2020 unter russischer Friedenssicherung steht.

Dieses Versäumnis führte zu einer Zunahme kritischer Berichterstattung durch russische Staatsmedien, die sich gegen die armenische Führung und Politik richteten.

Berichten zufolge könnte der Kreml sogar seine Medien und Beamten angewiesen haben, Armenien die Schuld für die aggressiven Aktionen Aserbaidschans im September 2023 zuzuschieben, was die Erzählung weiter verkompliziert.

Eine Reihe von Suspendierungen

Die armenische Regierung hat in den letzten Monaten bereits Maßnahmen gegen bestimmte russische Medien ergriffen.

Insbesondere wurde der Betrieb von Sputnik, einem vom Kreml finanzierten Sender, im Dezember eingestellt, nachdem Tigran Keosayan, eine bekannte pro-kremlische Figur und Ehemann der Chefredakteurin von RT, Margarita Simonjan, abfällige Kommentare über Armenien gemacht hatte.

Ebenso wurden Shows des pro-kremlischen Fernsehpersönlichkeiten Wladimir Solowjow im März blockiert, wie die armenischen Behörden aufgrund wiederholter Verstöße erklärten.

Dieses Muster von Suspendierungen unterstreicht die wachsende Frustration darüber, wie russische Medien Armenien darstellen.

Paschinjans jüngste Aussagen deuten darauf hin, dass eine Grenze der Toleranz nahezu erreicht ist.

„Wir haben bereits sieben Mal und mehr gefordert, und wir werden noch zwei weitere Male fordern. Wenn nicht, dann lasst uns festhalten, was unser nächster Schritt sein wird“, erklärte er und deutete auf ein mögliches vollständiges Verbot russischer Fernsehkanäle in Armenien hin, sollte sich deren Ansatz nicht ändern.

Vor dem Hintergrund dieser medialen Spannungen steht Russlands reduzierter Einfluss in der Region, seit sich sein militärischer Fokus im Februar 2022 auf den Konflikt in der Ukraine verlagert hat, was die Dynamik und Erwartungen in seinen bisherigen Einflussbereichen verändert.