Sie ist größer als ganze Staaten und bleibt dennoch für viele unsichtbar. Abseits der bekannten Namen Chinas wächst eine Stadt, deren Dimensionen gängige Vorstellungen sprengen.
Gerade lesen andere
Chongqing gilt als flächenmäßig größte Stadt der Welt, wenn man die offiziellen Grenzen zugrunde legt. Mit rund 82.200 Quadratkilometern ist sie etwa doppelt so groß wie die Schweiz und zählt rund 32 Millionen Einwohner.
Diese Größe ist kein Ergebnis natürlicher Urbanisierung, sondern politischer Planung. Wie Bild unter Berufung auf TRAVELBOOK berichtet, wurde Chongqing durch einen Verwaltungsakt zur regierungsunmittelbaren Stadt erhoben. Der östliche Teil der Provinz Sichuan wurde ausgegliedert, umliegende Bezirke eingemeindet.
Seither untersteht Chongqing direkt der Zentralregierung in Peking – ein Sonderstatus, der Infrastruktur, Investitionen und Wachstum beschleunigte.
Kern größer als Berlin
Die gewaltige Fläche täuscht über die tatsächliche Verdichtung hinweg. Im urbanen Kern leben, wie Bild unter Berufung auf ZDF berichtet, rund 11 Millionen Menschen. Das entspricht fast dem Dreifachen der Berliner Bevölkerung.
Auch ohne Vororte gehört Chongqing damit zu den größten Metropolen der Welt. In internationalen Ranglisten liegt sie hinter Städten wie Tokio oder Shanghai, bleibt aber ein urbanes Schwergewicht.
Lesen Sie auch
Bauen ohne Pause
Jährlich wächst die Stadt um etwa 500.000 Menschen. Die chinesische Regierung investiert Milliarden in Wohnungsbau, Verkehr und Industrie. Laut TRAVELBOOK soll kaum ein Gebäude älter als drei Jahrzehnte sein, wie Bild berichtet.
Ein bekanntes Beispiel für den Umgang mit Platzmangel ist eine Bahnlinie, die durch ein Wohnhochhaus führt. Die ARD zitierte Anwohner, die es schätzen, „direkt von der Wohnung in die Bahn“ einsteigen zu können, wie Bild berichtet.
Leben zwischen Ebenen
Wie sich diese Stadt tatsächlich anfühlt, beschreibt Channel NewsAsia (CNA) anhand von Alltagsgeschichten. Chongqing liegt in extremem Gelände: 76 Prozent der Fläche bestehen aus Bergen, nur zwei Prozent sind eben.
CNA spricht von einer sogenannten „8D-Stadt“, in der Straßen, Eingänge und Stockwerke nicht logisch übereinanderliegen. Höhenunterschiede bestimmen Wege, Gewohnheiten und soziale Kontakte – täglich, selbstverständlich.
Der Sender zeichnet ein Bild von Anpassung und Verlust zugleich: Alte Viertel verschwinden, neue Hochhäuser entstehen, Erinnerungen geraten unter Druck.
Lesen Sie auch
Treppen statt Fahrräder
Fahrräder spielen kaum eine Rolle, dafür Treppen, Aufzüge und Übergänge. Architektur nutzt die Topografie bewusst, oft mit mehreren Straßenniveaus in einem einzigen Gebäude.
CNA berichtet auch über die sozialen Folgen dieser Bauweise. Wo früher kleine Begegnungsräume entstanden, fehlen sie heute häufig. Gleichzeitig gibt es Versuche, alte Quartiere behutsam zu erneuern und Gemeinschaft neu zu ermöglichen.
Eine Stadt ohne Horizont
Chongqing ist nicht nur groß, sondern schwer einzuordnen. Sie ist weder klassische Megacity noch bloßes Verwaltungskonstrukt. Ihre Identität entsteht aus Bewegung – nach oben, nach unten, selten geradeaus.
Vielleicht erklärt das auch ihre Unsichtbarkeit im globalen Bewusstsein. Chongqing lässt sich schlecht erzählen, weil sie sich kaum über eine Skyline oder ein Zentrum definiert. Sie existiert in Ebenen, Übergängen und Wegen.
Quellen: Bild, TRAVELBOOK, ZDF, ARD, Channel NewsAsia