Ein Jahr nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus verändern sich die globalen Einstellungen auf eine Weise, die dem Präsidenten kaum gefallen dürfte.
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Eine neue internationale Umfrage legt nahe, dass das Ansehen Washingtons geschwächt ist, während der Einfluss Pekings zunehmend als prägende Kraft des kommenden Jahrzehnts wahrgenommen wird.
Für Europa unterstreichen die Ergebnisse ein wachsendes Gefühl der Verunsicherung über die Zukunft.
China im Aufwind
Laut einer weltweiten Umfrage, die für den European Council on Foreign Relations (ECFR) und das Projekt „Europe in a Changing World“ der Universität Oxford durchgeführt wurde, erwarten Mehrheiten in den meisten Ländern, dass Chinas globaler Einfluss in den kommenden zehn Jahren wachsen wird, berichtete The Guardian.
Besonders hoch sind die Erwartungen in Südafrika, Brasilien und der Türkei. Doch selbst in den USA und in weiten Teilen Europas glaubt mehr als die Hälfte der Befragten, dass Chinas Macht zunehmen wird.
Viele Europäer rechnen zudem damit, dass China weltweit führend bei Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien sein wird, und nur wenige sehen darin eine Bedrohung.
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Amerika weniger gefürchtet
Die Umfrage ergab wenig Vertrauen darauf, dass der Einfluss der USA weiter wachsen wird, auch wenn viele das Land weiterhin als wichtigen globalen Akteur betrachten.
In den meisten Ländern, einschließlich der USA selbst, erwartet keine Mehrheit einen Zuwachs der amerikanischen Macht. In mehreren Staaten glauben beträchtliche Teile der Bevölkerung sogar an einen Rückgang.
Auch die Wahrnehmung Trumps hat sich verschlechtert. Weniger Befragte als vor einem Jahr sind der Ansicht, dass seine Präsidentschaft den Amerikanern, ihren eigenen Ländern oder dem Weltfrieden nützt, auch wenn einige ihm zugestehen, US-Interessen verteidigt zu haben.
Verbündete entfernen sich
Die Sicht auf die USA als Verbündeten ist insbesondere in Europa deutlich gesunken.
Nur noch 16 Prozent der EU-Bürger betrachten die USA als Verbündeten, während 20 Prozent sie als Rivalen oder Feind sehen, so die von The Guardian zitierte Umfrage.
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Indien ist das einzige befragte Land, in dem eine Mehrheit die USA weiterhin als Verbündeten sieht, der gemeinsame Werte und Interessen teilt.
Die Unterstützung für höhere Verteidigungsausgaben ist in ganz Europa gewachsen, was die Sorge um Sicherheit und die Verlässlichkeit traditioneller Bündnisse widerspiegelt.
Krieg verändert Loyalitäten
Der Krieg in der Ukraine prägt weiterhin die Wahrnehmungen. In Russland sehen inzwischen mehr Menschen die EU als Gegner denn die USA, während die Feindseligkeit gegenüber Amerika abgenommen hat.
Ukrainer hingegen orientieren sich zunehmend an Europa statt an Washington.
Fast doppelt so viele Ukrainer betrachten inzwischen die EU als Verbündeten im Vergleich zu den USA.
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In China sehen die meisten Befragten die USA als Bedrohung, doch deutlich weniger sagen dies über die EU, die viele Chinesen als eigenständige Macht wahrnehmen.
Europas Dilemma
Die Autoren des Berichts, Ivan Krastev, Mark Leonard und Timothy Garton Ash, erklärten, die Ergebnisse zeigten „eine Welt, in der US-Handlungen China ermutigt haben“.
Sie warnten, Europa laufe Gefahr, ins Abseits zu geraten, wenn es sich nicht an eine multipolare Ordnung anpasse, und forderten die politischen Entscheidungsträger auf, „gleichzeitig realistisch und mutig“ zu sein.
Quellen: The Guardian, European Council on Foreign Relations, University of Oxford