Der fragile Übergang Syriens nach dem Sturz Assads ist durch Enthüllungen über Attentatsversuche auf die neue Führung erschüttert worden.
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Ein Bericht der Vereinten Nationen beschreibt mehrere vereitelte Anschlagspläne gegen Präsident Ahmed al-Sharaa und hochrangige Regierungsvertreter inmitten anhaltender Instabilität.
Attentatsversuche
Dem UN-Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr fünf Anschlagspläne gegen Sharaa oder führende Minister vereitelt.
Das Dokument stellt fest, dass Sharaa das „Hauptziel“ des Islamischen Staates war und in zwei getrennten Versuchen ins Visier genommen wurde, einer im Norden von Aleppo und ein weiterer im Süden von Daraa.
Der Guardian berichtet, dass die Anschläge mit Saraya Ansar al-Sunnah in Verbindung standen, einer als IS-Tarnorganisation beschriebenen Gruppierung, die im vergangenen Sommer auch einen Kirchenanschlag in Damaskus verübte.
Ein regionaler Geheimdienstvertreter bestätigte zuvor, dass syrische Behörden Hinweise aus einem Nachbarland erhalten hatten, die zur Vereitelung der Pläne beitrugen.
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Sicherheitsvakuum
Der Bericht bringt die Attentatsversuche mit der Instabilität nach dem Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 in Verbindung.
Der IS habe seitdem seine Rekrutierungsbemühungen verstärkt und Sharaa, der zuvor eine islamistische Rebellenfraktion geführt hatte, als Abtrünnigen dargestellt.
Die Gruppe verbreitete Bilder von Sharaa bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump und präsentierte sie als Beweis für eine Annäherung an den Westen.
Laut der UN-Bewertung nutzt der IS „aktiv Sicherheitslücken und Unsicherheit“ in Syrien aus, um die neue Regierung zu destabilisieren.
Erneute Bedrohung
Der Bericht schätzt, dass der Islamische Staat rund 3.000 Kämpfer in Syrien und im Irak unterhält, die meisten davon in Syrien aktiv.
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Analysten zufolge hat sich die Gruppe in den vergangenen Monaten neu formiert und dabei von geschwächter staatlicher Kontrolle sowie einem Zustrom von Waffen profitiert, nachdem Assads Truppen Stellungen aufgegeben hatten.
Damaskus trat im November der internationalen Koalition gegen den IS bei und übernahm seitdem die Kontrolle über Gefängnisse und Lager im Nordosten Syriens, in denen mutmaßliche Extremisten und deren Familien festgehalten werden.
Darunter befindet sich auch das Lager al-Hawl, in dem fast 25.000 Angehörige mutmaßlicher IS-Mitglieder leben. Experten bezeichnen es als „tickende Zeitbombe“ für die Extremistenorganisation.
Der Islamische Staat hat seit Assads Sturz bereits mehrere Anschläge für sich reklamiert, darunter einen Angriff Mitte Dezember auf amerikanische und syrische Truppen, bei dem drei US-Amerikaner getötet und drei Syrer verletzt wurden.
Quellen: Digi24, The Guardian, Bericht der Vereinten Nationen