Donald Trumps Politik belastet nicht nur diplomatische Beziehungen, sondern wirkt sich zunehmend auch auf das Selbstverständnis vieler US-Bürger aus.
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Hinweise darauf kommen aus sehr unterschiedlichen Kontexten – aus Gesprächen politischer Delegationen in Washington ebenso wie aus Alltagsbeobachtungen europäischer Medien. Zusammengenommen zeigen sie ein wachsendes Gefühl von Verlegenheit und Distanzierung.
Politische Begegnungen in Washington: Beobachtungen aus norwegischer Sicht
Während eines Besuchs mehrerer norwegischer Spitzenpolitiker in Washington stand das transatlantische Verhältnis im Mittelpunkt der Gespräche. Nach Angaben des norwegischen Rundfunks NRK fiel die Reise in eine Phase erhöhter Unsicherheit: Die NATO sieht sich unter Druck, zugleich sorgt US-Präsident Donald Trump mit Drohungen zu Strafzöllen und seinem wiederholten Interesse an Grönland für Irritation bei Verbündeten.
Der norwegische Liberale Abid Raja (Partei Venstre) schilderte gegenüber NRK Eindrücke, die ihn persönlich überrascht hätten. Viele Amerikaner, mit denen er sprach, hätten Gespräche damit begonnen, sich für das Verhalten ihres Präsidenten zu entschuldigen.
Nach seinen Worten äußerten US-Politiker zugleich deutliche Kritik daran, dass europäische Regierungen Trump zu zurückhaltend begegneten.
Auch der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, fand laut NRK klare Worte. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos warf er europäischen Spitzenpolitikern vor, dem US-Präsidenten zu oft nachzugeben, statt offen Widerspruch zu leisten. Seine Aussagen richteten sich ausdrücklich gegen eine Politik des Anpassens.
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Alltägliche Reaktionen: Berichte amerikanischer Touristen in Europa
Dass diese Scham nicht nur ein politisches Phänomen ist, zeigt eine im Frühjahr 2025 veröffentlichte Reportage der BBC aus Paris. Der britische Sender sprach mit amerikanischen Touristen, die schilderten, wie Trumps Handelspolitik ihr Auftreten im Ausland beeinflusst.
Der 74-jährige Rick Wilson aus Oregon berichtete der BBC, er habe vor dem Verlassen seines Hotels die US-Flagge auf seiner Baseballkappe verdeckt.
„Wir sind es leid. Es ist schrecklich. Einfach schrecklich“, sagte er mit Blick auf Trumps damalige Schritte in der Handelspolitik. Seine Frau Barbara Wilson ergänzte: „Ich bin enttäuscht von unserem Land.“
Nach Angaben der BBC erzählten auch andere US-Reisende, sie hätten bewusst auf auffällige nationale Symbole verzichtet. Die Gespräche fanden kurz vor einer teilweisen Rücknahme amerikanischer Strafzölle statt.
Messbare Effekte auf Reisen und Wahrnehmung
Neben persönlichen Eindrücken beschreibt die BBC auch konkrete wirtschaftliche Folgen. Philippe Gloaguen, Gründer des französischen Reiseführerverlags Le Guide du Routard, erklärte dem Sender, dass die Nachfrage nach USA-Reiseführern deutlich zurückgegangen sei; er sprach von einem Minus von 25 Prozent.
Zusätzlich verweist die BBC auf Prognosen von Oxford Economics, wonach die Zahl französischer USA-Reisen deutlich zurückgehen dürfte. Umfragen zeigen laut dem britischen Sender zudem, dass viele Menschen in Frankreich die Vereinigten Staaten nicht mehr als verlässlichen Verbündeten wahrnehmen.
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Gleichzeitig gibt es Gegenpositionen. Nicolas Conquer, Leiter von Republicans Abroad Paris, sprach gegenüber der BBC von einer verzerrten medialen Darstellung. Zwar räumte er wirtschaftliche Unsicherheiten ein, betonte jedoch, es handele sich vor allem um eine durch Medien verstärkte Wahrnehmung.
Politische Einordnung jenseits tagesaktueller Konflikte
Die wachsende Distanz zeigt sich auch in Aussagen erfahrener Politiker. Der frühere französische Präsident François Hollande erklärte laut BBC:
„Das amerikanische Volk bleibt unser Freund, aber [Trump] ist nicht länger unser Verbündeter.“
Auch aus Norwegen kommen mahnende Töne. Die frühere Außenministerin Ine Eriksen Søreide sagte gegenüber NRK, Drohungen gegenüber Verbündeten – etwa im Zusammenhang mit Grönland – seien mit dem Geist einer Allianz unvereinbar. Zugleich betonte sie, dass eine Zusammenarbeit mit den USA trotz aller Spannungen notwendig bleibe.
Ein Stimmungsbild mit Signalwirkung
Die Berichte von NRK und BBC stammen aus unterschiedlichen Ländern und Kontexten, weisen jedoch in eine ähnliche Richtung.
Politische Entscheidungen in Washington beeinflussen nicht nur internationale Beziehungen, sondern auch das Auftreten vieler Amerikaner im Ausland.
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Die offen geäußerte Scham wird so zu einem indirekten, aber aufschlussreichen Maßstab für den Zustand der transatlantischen Beziehungen.
Quellen: BBC, NRK