Militärische Aktionen, offene Drohungen und demonstrative Zurückhaltung prägen den Ton der internationalen Politik zu Beginn des Jahres 2026. In Washington wie in Moskau verdichten sich die Hinweise, dass alte Regeln an Bedeutung verlieren und große Staaten ihren Einfluss wieder unverblümt ausspielen.
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In einer Analyse von CNN beschreibt Stephen Collinson, wie US-Präsident Donald Trump seine zweite Amtszeit nutzt, um Amerikas Rolle in der Welt neu zu definieren. Auslöser ist der Zugriff auf Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte und dessen Überstellung nach New York.
Trumps Stellvertreter im Weißen Haus, Stephen Miller, formulierte die dahinterstehende Haltung ungewöhnlich offen. „Wir leben in einer Welt, die von Stärke, von Gewalt und von Macht bestimmt wird“, sagte er im Gespräch mit CNN.
CNN-Analyst Collinson wertet diese Aussagen als bewusste Distanzierung von multilateralen Prinzipien, die die US-Außenpolitik über Jahrzehnte geprägt haben. Die Betonung nationaler Stärke verdränge zunehmend diplomatische Zurückhaltung.
Venezuela als Beispiel
Der Zugriff auf Maduro wird von der US-Regierung als notwendiger Schlag gegen ein kriminelles Regime dargestellt. Collinson verweist jedoch auf zahlreiche offene Fragen, etwa zur rechtlichen Grundlage des Einsatzes und zur politischen Zukunft Venezuelas.
Diese Mischung aus militärischem Handeln und politischer Drohkulisse ergibt in der Summe das Bild eines Führungsstils, der schnelle Machtsignale über langfristige Ordnungsvorstellungen stellt.
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Macht ohne Regeln
Unabhängig von einzelnen Akteuren deutet sich ein grundlegender Wandel an. Internationale Politik wird wieder stärker von Staaten bestimmt, die über militärische, wirtschaftliche und technologische Überlegenheit verfügen und bereit sind, diese einzusetzen. Mittelgroße Länder und internationale Organisationen geraten dadurch unter Druck, weil ihr Einfluss vor allem auf Regeln und Verfahren beruht.
Je offener Großmächte ihre Interessen durchsetzen, desto geringer wird der Spielraum für Kompromisse. Entscheidungen werden schneller, aber auch risikoreicher getroffen. Die Grenze zwischen politischem Signal und militärischer Eskalation wird unschärfer.
Russlands kühle Reaktion
In einem Kommentar für Politico Europe richtet Jamie Dettmer den Blick nach Moskau. Trotz jahrelanger Partnerschaft mit Caracas reagierte der Kreml auffallend verhalten auf Maduros Festnahme. Präsident Wladimir Putin äußerte sich nicht persönlich, während offizielle Kritik formelhaft blieb.
Dettmer sieht darin taktische Zurückhaltung. Russland habe wenig Interesse an einer offenen Konfrontation mit Washington, solange es in anderen Konflikten, insbesondere in der Ukraine, eigene Prioritäten verfolge.
Gemeinsame Logik der Starken
Dettmer argumentiert, dass Trumps Vorgehen für Moskau sogar nützlich sein könnte. Die Russland-Expertin Fiona Hill weist darauf hin, dass ein offener Einsatz militärischer Macht durch Washington dem Kreml Argumente liefert, ähnliches Verhalten in seiner eigenen Einflusssphäre zu rechtfertigen.
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Beide Beiträge zeichnen damit ein Bild einer Welt, in der wieder Großmächte den Ton angeben. Venezuela wird so zum Symbol für eine internationale Ordnung, in der Stärke zunehmend über Recht gestellt wird.
Ähnliche Muster zeigen sich auch jenseits Lateinamerikas. Trumps erneute Forderungen mit Blick auf Grönland unterstreichen, dass diese Logik nicht auf einzelne Krisen beschränkt ist.
Territoriale Interessen und strategische Vorteile werden offen formuliert, während Fragen nach Souveränität und internationalem Recht in den Hintergrund treten.
Quellen: CNN (Analyse von Stephen Collinson), Politico Europe (Kommentar von Jamie Dettmer)