Zwei Senatsvorwahlen verschärfen die Meinungsverschiedenheiten über Wahlkampffinanzierung, Wirtschaftspolitik und die Zukunft der Partei. In Michigan und Minnesota haben sich unterschiedliche Bündnisse hinter den Kandidaten gebildet.
Senator Bernie Sanders hat seine Kritik an wohlhabenden politischen Großspendern erneuert, während die Demokraten in Michigan am Dienstag in einer viel beachteten Senatsvorwahl zwischen Abdul El-Sayed und Haley Stevens abstimmen.
Das Rennen hat landesweit Aufmerksamkeit erregt, weil sich die politischen Bündnisse, Finanzierungsmodelle und die Unterstützung durch einflussreiche Parteivertreter der beiden Kandidaten deutlich unterscheiden.
El-Sayed, Arzt und ehemaliger Gesundheitsdirektor von Detroit, wird von Sanders und der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez unterstützt.
Stevens, Mitglied des US-Repräsentantenhauses und ehemalige Mitarbeiterin der Obama-Regierung, hat die Unterstützung des demokratischen Fraktionsführers im Senat, Chuck Schumer, sowie der Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, erhalten.
Externe Organisationen haben mehr als 50 Millionen US-Dollar ausgegeben, um Stevens zu unterstützen oder El-Sayed zu bekämpfen. Rund 30 Millionen US-Dollar stammten nach Angaben der Associated Press vom American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) und mit ihm verbundenen Gruppen. Das Ausmaß dieser Ausgaben hat die Wahlkampffinanzierung zu einem zentralen Thema des Rennens gemacht.
Dennoch sammelte El-Sayed direkt mehr Spenden als Stevens und baute eine von Freiwilligen getragene Kampagne auf, die den Schwerpunkt auf Unterstützung aus der Basis legte. Stevens hingegen profitierte von einer weitaus größeren, extern finanzierten Werbekampagne, während beide Kandidaten um die Nominierung der Demokratischen Partei kämpfen.
Kritik an der Macht der Großspender
Sanders richtete seine Kritik gegen externe Gruppen, die politische Kampagnen finanzieren, und nicht gegen die Tatsache, dass die Vorwahl umkämpft ist. Er argumentierte, dass das Ausmaß der in das Rennen fließenden Gelder das Gleichgewicht zwischen den Kandidaten verzerrt und wohlhabenden Sonderinteressen einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf den Ausgang verschafft habe.
„Wenn Milliardäre und ihre Super-PACs, AIPAC und andere Sonderinteressen Dutzende Millionen Dollar ausgeben, um Abdul zu besiegen, dann ist das keine Demokratie“, sagte er in der MeidasTouch-Sendung On Sunday. „Das ist ein korruptes System der Wahlkampffinanzierung, das von Milliardären kontrolliert wird.“
Der unabhängige Senator aus Vermont unterstützt außerdem Minnesotas Vizegouverneurin Peggy Flanagan, die bei der Vorwahl der Democratic-Farmer-Labor Party am 11. August gegen die Kongressabgeordnete Angie Craig antritt. Die Partei ist der demokratische Landesverband in Minnesota. Das Rennen hat landesweit Aufmerksamkeit erregt, da beide Kandidatinnen in unterschiedlichen Teilen der Partei über starke Unterstützung verfügen.
Flanagan wird von Sanders, Senatorin Tina Smith und der Kongressabgeordneten Ilhan Omar unterstützt und ist damit klar dem progressiven Parteiflügel zuzuordnen. Craig wird von Nancy Pelosi, Hakeem Jeffries und Pete Buttigieg sowie weiteren prominenten Vertretern des moderateren Parteiflügels unterstützt.
Craig hat sich ein zentristisches Profil erarbeitet, nachdem sie einen zuvor von Republikanern vertretenen Kongresswahlkreis gewonnen und verteidigt hatte. Flanagan hingegen stellt in ihrem Wahlkampf um die Senatsnominierung progressive Prioritäten und ihre Bilanz in einem landesweiten Amt in den Mittelpunkt.
Parteiführung unter Druck
Auf die Frage nach Demokraten, die progressive Kandidaten stärker an das Parteiestablishment anpassen möchten, wies Sanders die Prämisse zurück und richtete seine Kritik stattdessen gegen führende Vertreter der Partei.
„Vielleicht ist ja das Gegenteil der Fall. Vielleicht sollte das demokratische Establishment endlich verstehen, dass es völlig den Kontakt zu dem verloren hat, was die amerikanische Bevölkerung bewegt.“
Sanders sagte, die Partei dürfe nicht länger in erster Linie von wohlhabenden Geldgebern oder einem kleinen Kreis politischer Entscheidungsträger geprägt werden. Stattdessen müssten die Demokraten eine breitere Koalition aus Arbeitnehmern, jungen Menschen, ethnischen Minderheiten und Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten aufbauen.
„Ich denke, die Demokratische Partei sollte die Partei der arbeitenden Menschen, der jungen Menschen, der ethnischen Minderheiten und der Menschen sein, die wissen, was es heißt, ums tägliche Auskommen zu kämpfen.“
Im Interview ging es außerdem um Gesundheitsversorgung, Wohnraum und die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Sanders argumentierte, der technologische Wandel müsse im Interesse der Allgemeinheit gestaltet werden und dürfe nicht nahezu vollständig von einer kleinen Zahl mächtiger Unternehmen kontrolliert werden.
„Wir müssen sicherstellen, dass sie dazu dient, das menschliche Leben zu verbessern und nicht zu schädigen“, sagte er.
Sanders unterstützt ein bundesweites Moratorium für neue KI-Rechenzentren, bis strengere nationale Schutzmaßnahmen eingeführt werden. Außerdem sprach er über die Einrichtung eines öffentlichen Fonds, der den Amerikanern eine finanzielle Beteiligung an dem von der Branche geschaffenen Wohlstand ermöglichen würde.
„Die Menschen selbst werden entscheiden müssen, wie die Zukunft aussieht – nicht Sie“, sagte Sanders, als er den Einfluss führender Technologiekonzerne kritisierte.
Das Ergebnis in Michigan wird der erste unmittelbare Gradmesser dafür sein, ob El-Sayeds von Freiwilligen getragene Kampagne den enormen Vorteil von Stevens bei der extern finanzierten Werbung überwinden kann. Zugleich wird sich zeigen, ob Sanders’ Kritik am Einfluss von Großspendern stark genug verfängt, um den Ausgang einer bedeutenden demokratischen Senatsvorwahl zu beeinflussen.
Quellen: MeidasTouch, Associated Press