Startseite Politik Putins „Super-App“: Russlands digitale Überwachung greift auf private Nachrichten zu

Putins „Super-App“: Russlands digitale Überwachung greift auf private Nachrichten zu

MAX, Russia, messaging app, Putin
miss.cabul / Chebotaeva Ekaterina / Shutterstock.com

Das moderne Leben ist stark von unseren Smartphones abhängig. Wir bezahlen Kaffee und chatten mit unseren Liebsten mit nur wenigen schnellen Fingertipps. Doch diese Bequemlichkeit wird schnell zum Albtraum, wenn eine restriktive Regierung beschließt, alle digitalen Schlüssel in der Hand zu halten.

Seit Anfang letzten Jahres hat sich in Russland ein strenges technologisches Mandat etabliert. Bürger stehen unter starkem Druck, eine staatlich unterstützte „Super-App“ namens Max herunterzuladen.

Regierungsvertreter bewerben die Software intensiv als patriotischen Ersatz für westliche Kommunikationstools und setzen sogar Rap-Videos von Prominenten ein, um die Einführung voranzutreiben. The Guardian berichtet, dass dieses eine Programm nun alles von grundlegenden Textnachrichten über das Bezahlen von Rechnungen bis hin zum Zugriff auf wichtige staatliche Dienste abwickelt.

Das System stammt von VKontakte. Dieses große Social-Media-Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit der Regierung zurück, und Wladimir Putin soll indirekt daran beteiligt sein.

Totaler Zugriff

Cybersicherheitsexperten haben nun die erschreckende Macht aufgedeckt, die im Code verborgen ist. Ein Forschungsteam der University of Michigan untersuchte die inländische Version der Software. Roya Ensafi, außerordentliche Professorin für Informatik, erklärte, dass das Programm als massive Hintertür zu privaten Mobilgeräten fungiere.

Die Plattform kann heimlich Screenshots von privaten Gesprächen aufnehmen. Sie verfolgt auch Finanztransaktionen und kann bösartigen Code einschleusen, ohne dass der Besitzer Benachrichtigungen erhält. „Was Max bietet, ist die cleverste und gleichzeitig beängstigendste Taktik autoritärer Regierungen“, sagte Ensafi gegenüber The Guardian.

Kein Versteck

Für normale Menschen ist es nahezu unmöglich, das Mandat zu umgehen. Die Behörden hatten zuvor große globale Konkurrenten wie WhatsApp verboten. Nun müssen Lehrer, Studenten und Angestellte des öffentlichen Sektors ihre täglichen Geschäfte über das überwachte Netzwerk abwickeln.

Eine Moskauer Schullehrerin informierte The Guardian über strenge Anweisungen der lokalen Verwaltungen. Alle Elterngespräche und Hausaufgaben müssen über das neue System laufen. „Es gibt keine wirkliche Möglichkeit, Nein zu sagen, also benutzt man am Ende einfach die App“, sagte die Lehrerin.

Die Regeln umgehen

Unterdessen spielen wohlhabende Personen und politische Insider ein völlig anderes Spiel. Personen in Elitekreisen kaufen Berichten zufolge billige Wegwerfhandys, nur um die Installationsanforderung zu erfüllen. Ihre echten Gespräche führen sie auf völlig separaten Geräten.

„Das ist alles nur Show. Niemand in der Politik benutzt es wirklich“, gestand eine anonyme Quelle aus dem Kreml der Zeitung. Die Gefahr für normale Bürger ist weiterhin unglaublich hoch. Ensafi warnte, dass diese schnelle Technologieeinführung eine erschreckende Blaupause für andere restriktive Regime weltweit darstelle.

Quellen: The Guardian