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Wall Street zahlt hohe Summen, um Trumps Beiträge schneller zu erhalten

Truth Social Donald Trump account smartphone
Charles-McClintock Wilson / Shutterstock.com

Einige Investoren zahlen hohe Summen für einen direkten Zugang zu öffentlichen Informationen. Das Modell hat zudem erneut Fragen nach der Gleichbehandlung an den Finanzmärkten aufgeworfen.

Mehr als zehn Kunden haben Verträge für Truth API abgeschlossen, den maschinenlesbaren Datenfeed von Trump Media and Technology Group für ausgewählte Konten auf Truth Social. Der Dienst ist darauf ausgelegt, Beiträge direkt an Computersysteme zu übermitteln, ohne dass dafür die übliche Benutzeroberfläche des sozialen Netzwerks genutzt werden muss.

Der kommissarische Vorstandsvorsitzende Kevin McGurn sagte laut CBS News, dass die meisten frühen Käufer Hochfrequenzhandelsfirmen seien. Die Verträge kosten in der Regel zwischen 60.000 und 100.000 Dollar pro Monat, was zeigt, welchen Wert diese Unternehmen darauf legen, Daten mit möglichst geringer Verzögerung zu erhalten.

Trump Media erklärt, dass der Dienst keine privaten Informationen bereitstellt. Stattdessen zahlen Abonnenten für einen direkten Feed öffentlicher Beiträge, den ihre Systeme schneller erfassen können als Nutzer, die Truth Social auf herkömmliche Weise verwenden.

Schon ein geringer zeitlicher Vorsprung kann für Unternehmen, die automatisierten Handel betreiben, wertvoll sein. Trump nutzt Truth Social häufig, um Entscheidungen zu Zöllen, zur Außenpolitik und zu anderen Themen bekannt zu geben, die die Finanzmärkte rasch beeinflussen können.

Für Maschinen entwickelt

Truth API wurde offiziell am 1. August gestartet. Trump Media zufolge umfasst der Dienst ein Archiv mit Beiträgen, das bis ins Jahr 2022 zurückreicht. Kunden erhalten damit Zugriff sowohl auf neue Inhalte als auch auf ältere Beiträge ausgewählter Truth-Social-Konten.

Eine API ermöglicht es Computersystemen, Informationen direkt auszutauschen, ohne dass jemand fortlaufend eine Website oder App überprüfen muss. Für Handelsfirmen bedeutet das, dass Software neue Beiträge auf Truth Social unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung überwachen, die Informationen verarbeiten und innerhalb kürzester Zeit darauf reagieren kann.

Trump Media hat nicht angegeben, um wie viel schneller der Dienst im Vergleich zum gewöhnlichen Zugang zur Plattform genau ist. Das Unternehmen betont jedoch, dass die Beiträge bereits öffentlich sind und die Kunden lediglich für eine direktere und effizientere Art des Datenempfangs bezahlen.

Der potenzielle Markt reicht über die Wall Street hinaus. McGurn hat laut CNN auch darüber gesprochen, Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, großen Cloud-Computing-Anbietern und Nachrichtenorganisationen Zugang anzubieten. Diese Kunden könnten den Feed für unterschiedliche Zwecke nutzen, von automatisierten Analysen bis hin zur schnelleren Beobachtung öffentlicher Äußerungen.

Zunehmende Prüfung

Die Idee hat in Washington Aufmerksamkeit erregt. Dort haben Gesetzgeber die Frage aufgeworfen, ob ein kostenpflichtiger schnellerer Zugang zu ungleichen Bedingungen führen könnte. Die demokratischen Senatoren Elizabeth Warren und Adam Schiff haben die Securities and Exchange Commission aufgefordert zu prüfen, ob das Modell gegen das US-amerikanische Wertpapierrecht verstoßen könnte.

Ihre Sorge richtet sich darauf, ob finanzstarke Handelsfirmen gegenüber gewöhnlichen Anlegern einen Vorteil erlangen könnten, indem sie marktbewegende Beiträge schneller erhalten. Sie schrieben: „Ein früher Zugang zu den Social-Media-Beiträgen von Präsident Trump für Wall-Street-Firmen, wohlhabende Insider und Hochfrequenzhändler wird das Vertrauen der Anleger in die grundlegende Fairness der Märkte untergraben.“

Die Debatte kommt zu einer Zeit, in der Trump Media weiterhin nach stabileren Einnahmequellen sucht. Das Unternehmen schreibt trotz höherer Umsätze im zweiten Quartal weiterhin Verluste.

Der Umsatz belief sich auf rund 1,7 Millionen Dollar und lag damit 89 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Gleichzeitig verzeichnete Trump Media einen Nettoverlust von etwa 238,1 Millionen Dollar. Dies verdeutlicht die Kluft zwischen den wachsenden Einnahmen des Unternehmens und seiner finanziellen Gesamtentwicklung.

Quellen: Trump Media and Technology Group, CNN, CBS News