Geleakte interne E-Mails enthüllen, dass US-Einwanderungsbehörden Abschiebeflüge direkt mit iranischen Beamten koordinierten und ausländischen Vertretern erlaubten, Passagierlisten zu ändern.
US-Einwanderungsbehörden arbeiteten Hand in Hand mit iranischen Vertretern zusammen, um mehrere erzwungene Rückführungen zu organisieren, wie geleakte interne E-Mails zeigen.
Die Dokumente, die von der in Washington ansässigen Interessenvertretung National Iranian American Council veröffentlicht wurden, zeigen, dass Bundesbeamte zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 drei separate Flüge organisierten.
Die verdeckte Initiative brachte erfolgreich über 100 iranische Staatsbürger in ihr Heimatland zurück.
Die Korrespondenz legt laut Euronews nahe, dass ausländische Beamte echten Einfluss auf die Passagierlisten hatten. US-Beamte akzeptierten konsequent kurzfristige Anpassungen der Namenslisten, die direkt von ausländischen Vertretern angefordert wurden.
„Auf Anfrage der iranischen Botschaft habe ich einige Fälle hinzugefügt“, schrieb ein ungenannter Bundesbeamter Ende August.
Kurz darauf passte derselbe Beamte die Passagierliste nach einem direkten Treffen mit einem hochrangigen ausländischen Vertreter erneut an.
Zweifel an der Freiwilligkeit
Ausländische Beamte behaupteten zuvor, dass bis zu 400 Staatsbürger im Rahmen einer breiteren Vereinbarung mit Führungspersönlichkeiten des Weißen Hauses zurückkehren könnten.
Ein großer Teil der Betroffenen war ohne Arbeitspapiere über Mexiko über die südliche US-Grenze eingereist. Es bleiben jedoch ernsthafte Fragen darüber bestehen, ob diese Personen freiwillig zurückkehrten.
Nach früheren Berichten der New York Times waren mehrere Abgeschobene aktive Schutzsuchende, die gegen ihren Willen zurückgeschickt wurden.
Hochrangige politische Führungskräfte trieben das Rückführungsprogramm selbst während eines militärischen Konflikts zwischen beiden Nationen nachdrücklich voran.
Bundesbeamte gingen sogar so weit, private Treffen zwischen ausländischen Agenten und Insassen in US-Haftanstalten zu arrangieren, berichtet Euronews.
Spannungen landen vor Gericht
Diese geleakten internen Unterlagen decken sich mit brisanten Vorwürfen aus einer nicht damit zusammenhängenden Bundesklage, die im Juli eingereicht wurde.
Eidesstattliche Aussagen von 11 haftierten iranischen Staatsbürgern offenbaren, dass sie während ihrer Haft zu persönlichen Treffen mit ausländischen Beamten gedrängt wurden.
Die Klage macht geltend, dass US-Behörden gegen Bundesvorschriften verstoßen haben, indem sie vertrauliche Asylakten an ausländische Agenten übergeben haben.
Laut Euronews verbieten Bundesschreiben strikt die Weitergabe von Akten, die Personen identifizieren, die Schutz suchen. Vertreter des Heimatschutzministeriums wiesen die Vorwürfe vor Gericht rundweg zurück.
„Diese Vorwürfe, dass ICE Asylantragsakten mit der iranischen Regierung geteilt hat, sind falsch“, erklärte das Ministerium in einer Stellungnahme.
Ein ungewöhnlicher Kanal
Die Enthüllungen verdeutlichen auch, wie außergewöhnlich die Zusammenarbeit war.
Die Vereinigten Staaten und der Iran unterhalten keine formellen diplomatischen Beziehungen, dennoch schaffte die Abschiebungsinitiative einen seltenen Arbeitskanal zwischen Beamten der beiden Regierungen.
Laut Associated Press erforderten die drei Abschiebeflüge eine Koordinierung über Katar, wobei die Operation trotz sich rasch verschlechternder Beziehungen zwischen Washington und Teheran fortgesetzt wurde.
Die neu veröffentlichten E-Mails liefern das bisher klarste Bild davon, wie dieser ungewöhnliche Kanal genutzt wurde, um mehr als 100 Iraner in das Land zurückzubringen.