Die Technologie verspricht, die Vergangenheit mit einem einzigen Klick wieder zum Leben zu erwecken. Filmemacher testen am Set ständig die Grenzen dieser neuen digitalen Werkzeuge aus. Manchmal weigert sich die menschliche Note ganz einfach, ersetzt zu werden.
Die Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal versuchte kürzlich, eine Hollywood-Ikone mithilfe künstlicher Intelligenz nachzubilden. Sie besetzte Dakota Johnson als Marilyn Monroe in einem neuen Kurzfilm namens Flesh Impact.
Genesis gab das Projekt anlässlich des hundertsten Geburtstags von Monroe in Auftrag. Die Geldgeber baten Gyllenhaal, während der Produktion KI-Technologie zu testen.
Sie trainierte die Software mit alten Clips der verstorbenen Darstellerin. Letztendlich hoffte das Team, Monroes historisches Gesicht direkt auf Johnson zu übertragen.
Dieser ehrgeizige Plan scheiterte jedoch schnell. Laut TV 2 verwarf die Regisseurin die digitale Version komplett.
Die fehlende Magie
„Es hat eigentlich nicht funktioniert“, erklärte Gyllenhaal letzte Woche auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, wie Variety berichtete.
Sie hatte das Gefühl, dass die digitale Überlagerung die eigentlichen Beweggründe für die Produktion des Films zunichtemachte. Stundenlange technische Anpassungen konnten nicht mit einer echten schauspielerischen Leistung mithalten.
„Was Dakota in der Rolle der Marilyn Monroe vermittelte, war so viel berührender, menschlicher und lebendiger“, sagte die Regisseurin.
Das Authentizitätsproblem
Das überraschte Kim Toft Hansen, Forscher an der Universität Aalborg. Er merkt an, dass Hollywood seit Jahrzehnten erfolgreich Computer einsetzt, um Menschen nachzubilden.
Als Brandon Lee 1993 bei den Dreharbeiten zu The Crow starb, nutzte die Crew Stand-ins und visuelle Effekte, um den Film fertigzustellen.
Hansen glaubt, dass die aktuelle Gegenreaktion auf generative Software tiefer geht als die reine Technologie selbst.
„Ich denke, es läuft im Grunde auf Authentizität hinaus“, sagte er gegenüber TV 2. Der Forscher erklärte, dass das Publikum sich nach wie vor nach etwas Natürlichem und Glaubwürdigem sehnt.
Kampf ums Überleben
Traditionelle visuelle Effekte erfordern spezialisierte Fachkräfte und große Budgets. Software-Generatoren ermöglichen es fast jedem, kostengünstig Videos zu erstellen, was den mangelnden Respekt in der Branche erklären könnte.
Hansen erwartet, dass bald große Urheberrechtsstreitigkeiten um Stimmen ausbrechen werden. Er verwies auf Scarlett Johansson, die 2024 mit OpenAI wegen eines Chatbots aneinandergeriet, der stark nach ihr klang.
Gyllenhaal ist entsetzt. Sie hat gehört, dass eine Großproduktion mithilfe von Software letztendlich nur noch einen Bruchteil des üblichen Preises kosten könnte:
„Aber die Sache ist die: Wenn man einen ausreichend guten kommerziellen Film für 40.000 Dollar oder nur vier Millionen Dollar machen kann, wer gibt einem dann noch zehn Millionen, um es auf die alte Art zu machen? Niemand. Vielleicht gibt es einen sehr, sehr kleinen Markt dafür. Aber es macht mir Sorgen.“
Quellen: TV 2, Variety
