Startseite Geschichte Archäologen entdecken 1.000 Jahre altes Spiel auf mittelalterlicher Brotschaufel

Archäologen entdecken 1.000 Jahre altes Spiel auf mittelalterlicher Brotschaufel

Archaeologists in Staraya Russa discovered a Nine Men's Morris game board carved into the back of a 1,000-year-old wooden bread peel.
Novgorod State University

Die Geschichte hinterlässt oft eindrucksvolle Spuren an Denkmälern und Palästen. Doch manchmal verbergen sich die faszinierendsten Geschichten in den Alltagsgegenständen gewöhnlicher Menschen. Ein einfaches Küchenutensil aus Holz gewährt nun einen überraschenden Einblick darin, wie unsere Vorfahren ihre Zeit verbrachten.

Archäologen haben bei Ausgrabungen in der historischen russischen Stadt Staraja Russa kürzlich ein faszinierendes Holzartefakt entdeckt. Die mittelalterliche Stadt gehörte einst zur Rus, einem weitläufigen Reich, in dem sich auch Wikinger niederließen.

Auf den ersten Blick wirkte das Eichenholzobjekt aus dem 11. Jahrhundert völlig unscheinbar. Es handelte sich um eine traditionelle, flache Brotschaufel, die etwa 30 mal 40 Zentimeter maß und dazu diente, Brot in einen heißen Ofen zu schieben.

Doch als die Forscher das Werkzeug umdrehten, offenbarte sich eine ganz andere Geschichte. Auf der Rückseite waren sorgfältig drei ineinander verschachtelte Quadrate eingeritzt. Dieses markante geometrische Muster bildete ein vollständiges Spielbrett.

Historisches Brettspiel

Die eingeritzten Linien bilden das Spielfeld für Mühle, ein strategisches Brettspiel für zwei Personen. HistorieNet berichtet, dass das Spiel an eine komplexere Mischung aus Tic-Tac-Toe und Dame erinnert.

Die Spieler versuchen, drei ihrer Spielsteine in einer Reihe anzuordnen. Gelingt ihnen das, dürfen sie einen gegnerischen Spielstein vom Brett nehmen. Das Spiel endet, wenn einer der Spieler keinen gültigen Zug mehr machen kann oder nur noch zwei Spielsteine besitzt.

Das Spiel war im Mittelalter in Europa und Asien weitverbreitet. Es war beliebt, weil die Regeln einfach waren. Außerdem benötigte man keine teure Ausrüstung, um mitzuspielen.

Zeitvertreib beim Brotbacken

Spielpläne wurden häufig in jede geeignete ebene Fläche geritzt. Als Spielfiguren verwendete man einfach kleine Steine oder andere Gegenstände, die gerade zur Hand waren.

Die Forscher schlagen zwei mögliche Erklärungen für diesen besonderen Fund vor. Ein gelangweilter Bäcker könnte die Linien eingeritzt haben, um eine schnelle Runde zu spielen, während er darauf wartete, dass das Brot im Ofen fertig gebacken war.

Doch es gibt auch eine praktischere Erklärung. Der lange Stiel der Holzschaufel könnte an einem arbeitsreichen Morgen einfach abgebrochen sein. Anstatt das Holz wegzuwerfen, könnte jemand daraus ein Spielbrett gemacht haben.

Ein Spiel mit langer Geschichte

Ein vollständiges Exemplar wie dieses zu finden, ist äußerst selten. Obwohl Fachleute in der Region bereits Bruchstücke solcher Spiele entdeckt haben, ist ein intaktes, in ein Küchenutensil eingeritztes Spielbrett ein bedeutender Fund.

Die Wurzeln des Spiels reichen weit über das 11. Jahrhundert zurück. HistorieNet zufolge könnten ähnliche Spielpläne bereits um 1400 v. Chr. im alten Ägypten verwendet worden sein.

Der römische Dichter Ovid schrieb sogar um das Jahr 1 n. Chr. über ein vergleichbares Spiel. Er riet Frauen dazu, die Regeln zu lernen. Wie er bemerkte, konnte beim Spielen auch die Liebe aufblühen.