Die Festnahme des langjährigen venezolanischen Machthabers hat weit über Lateinamerika hinaus Schockwellen durch autoritäre Machtzirkel geschickt.
Gerade lesen andere
In Moskau wird der Moment mit einer Mischung aus Alarm und unbehaglicher Selbstreflexion verfolgt.
Ein ehemaliger Insider des Kremls sagt, die Folgen seien für Russlands Präsidenten nicht nur geopolitisch, sondern zutiefst persönlich.
Angst und Identifikation
Nach Angaben des Mediums Dialog argumentiert der Politologe Abbas Galyamov, dass Wladimir Putin nach der Festnahme von Nicolás Maduro mit zwei widersprüchlichen Emotionen ringt.
Auf einer Ebene identifiziere sich Putin mit Maduro als einem autoritären Herrscher.
Dieses Gefühl der Verbundenheit schüre sowohl Empörung als auch Angst darüber, was dieses Ereignis signalisieren könnte.
Lesen Sie auch
„Russland ist natürlich nicht Venezuela, also besteht die Hoffnung, dass die Amerikaner so etwas nicht einmal planen, aber andererseits weiß der Teufel, wozu sie fähig sind! Und selbst wenn nicht ich, dann Khamenei oder Kim Jong-un, das ist auch schlimm!“, schrieb Galyamov in seinem Blog.
Neid und Reue
Gleichzeitig, so Galyamov, betrachte Putin die Ereignisse aus einer anderen Perspektive, nämlich der eines Führers, der Russland weiterhin als angehende Supermacht sehe.
In dieser Rolle, argumentiert er, werde der Kremlchef von Neid auf US-Präsident Donald Trump und auf dessen entschlossenes Vorgehen in Venezuela erfüllt.
„Ich hätte an seiner Stelle sein sollen! Genau das hätte ich vor vier Jahren mit Selenskyj tun sollen, statt all dem hier!“, soll Putin laut Galyamov „traurig flüstern“.
Der Politologe prognostiziert eine angespannte Stimmung innerhalb des russischen Sicherheitsapparats, in der hochrangige Funktionäre mit wütenden Fragen konfrontiert würden, warum andere entschlossen handeln können, während Moskau dazu nicht in der Lage sei.
Lesen Sie auch
Gefährliche Gedanken
Galyamov weist zudem auf eine tiefere, destabilisierende Folge der Festnahme Maduros für autoritäre Systeme hin.
Sowohl in Russland als auch im Iran könne das Ereignis Eliten in der Nähe festgefahrener Machthaber dazu ermutigen, darüber nachzudenken, ob es nicht sicherer sei, Herrscher zu beseitigen, die mit der Zeit den Bezug zur Realität verlieren.
Solche Führer, so argumentiert er, trieben ihre Systeme letztlich in Richtung Zusammenbruch, und sowohl Putin als auch Irans oberster Führer Ali Chamenei verstünden diese Gefahr sehr genau.
Sie seien sich, so Galyamov, der Gedanken bewusst, die nun in den Köpfen einiger ihrer Vertrauten kursieren, sowie der Unsicherheit, wie man mit diesem Wissen leben solle.
Quellen: Dialog, Blog von Abbas Galyamov, LA.lv