Russische Sicherheitskräfte haben in Moskau ein Punkkonzert aufgelöst und Zuschauer geschlagen, die ukrainische Kanäle auf Telegram abonniert hatten.
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Wie das unabhängige Medium Meduza berichtet, lösten Einheiten der Nationalgarde und der Moskauer Polizei am 6. Januar das Punkkonzert „Harvest Fest“ im Club Motyga auf.
Die Veranstaltung wurde kurz nach dem Eintreffen der Sicherheitskräfte abgesagt.
Augenzeugenberichte, die Meduza gesammelt hat, zufolge betraten Polizisten den Veranstaltungsort noch vor Beginn des Konzerts, befahlen den Besuchern, sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen, und durchsuchten die Anwesenden.
Handys überprüft
Mehrere Konzertbesucher berichteten, dass die Beamten ihre Mobiltelefone kontrollierten, wobei sie besonderes Augenmerk auf Telegram-Konten legten.
Nach Angaben von Meduza und dem Recherchemedium Important Stories suchten die Sicherheitskräfte nach Abonnements von Kanälen, die mit „unerwünschten“ oder verbotenen Organisationen in Verbindung stehen.
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Eine Quelle sagte Important Stories, dass Personen, die Anti-Kriegs-Inhalte verfolgten, unter Druck gesetzt wurden, Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium zu unterschreiben.
Wer ukrainische Telegram-Kanäle abonniert hatte, sei demnach geschlagen worden.
Einsatz von Gewalt
Zeugen beschrieben einen weit verbreiteten Einsatz von Gewalt während des Einsatzes.
„Schlagstöcke, Elektroschocker – alles, was nötig war“, sagte eine Quelle laut Meduza.
Polizisten sollen zudem Gewalt gegen Personen angewendet haben, die sich bewegten oder in irgendeiner Weise Widerstand leisteten.
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Die Beamten fotografierten Ausweisdokumente und notierten die Telefonnummern der Konzertbesucher.
Unklar ist bislang, ob es zu formellen Festnahmen kam.
Rechtsbeistand verweigert
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD-Info verweigerte die Polizei dem Anwalt Oskar Cerdjiev den Zutritt zum Veranstaltungsort.
Beamte erklärten ihm, alle Anwesenden würden freigelassen, sobald die Handyüberprüfungen abgeschlossen seien.
Das Konzert wurde nach den Durchsuchungen nicht fortgesetzt.
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Der Einsatz folgte auf einen weiteren Eingriff in den Kulturbetrieb am Vortag.
Am 5. Januar hatten Sicherheitskräfte eine Neujahrsaufführung des Kirill-Ganin-Konzepttheaters in Moskau gestört, bei der nackte Schauspieler auftraten.
Medien mit Nähe zu den Strafverfolgungsbehörden berichteten, sieben Organisatoren seien festgenommen worden und müssten mit Anzeigen wegen geringfügigen Rowdytums rechnen.
Theaterdirektor Alexei Filatow erklärte jedoch gegenüber Journalisten, es seien keine Verstöße festgestellt und keine Anklagen erhoben worden.
Quellen: Meduza, Important Stories, OVD-Info