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Neue US-Ernährungsleitlinien stoßen auf Widerspruch wegen Protein und Vollfett

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Die US-Regierung will mit neuen Ernährungsempfehlungen einen gesundheitspolitischen Impuls setzen. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung zeigt sich, wie umstritten der eingeschlagene Kurs ist. Fachverbände und Ärzteorganisationen bewerten zentrale Punkte sehr unterschiedlich.

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Ein breiter Konsens besteht beim Thema Zucker. Nach Angaben der US-Regierung sollen insbesondere Kinder besser geschützt werden.

Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf AFP und dpa berichtet, empfehlen die Leitlinien für Kinder unter zehn Jahren einen vollständigen Verzicht auf Süßstoffe und gezuckerte Getränke.

Auch Erwachsene werden zu einem geringeren Konsum von Zucker und stark raffinierten Kohlenhydraten aufgerufen.

Das Deutsche Ärzteblatt verweist darauf, dass diese Punkte von vielen medizinischen Fachgesellschaften als sinnvoll und wissenschaftlich gut belegt gelten.

Umstrittenes Protein

Deutlich kontroverser fällt die Reaktion auf die neue Empfehlung zur Eiweißzufuhr aus. Die Leitlinien raten zu 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Damit liegt der Wert deutlich über früheren US-Empfehlungen.

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Das Physicians Committee for Responsible Medicine hält dies für problematisch. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, erklärte die Organisation, die erhöhte Empfehlung sei „unnötig und könnte schädlich sein, wenn sie dazu führt, dass mehr tierisches Eiweiß konsumiert wird“. In den USA werde bereits ausreichend Protein aufgenommen.

Fleisch und Milch

Kritik gibt es auch an der Betonung tierischer Produkte. Die Leitlinien empfehlen unter anderem vollfette Milchprodukte sowie Fette wie Butter oder Rindertalg.

Neal Barnard, Präsident des Physicians Committee for Responsible Medicine, sagte dazu: „Und hier irren die Leitlinien, indem sie Fleisch und Milchprodukte fördern, die die Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit sind.“

Seine Organisation fordert stattdessen eine klare Warnung vor tierischem Eiweiß und mehr Hinweise auf pflanzliche Proteinquellen. Zudem verweist sie auf angereicherte pflanzliche Lebensmittel als sinnvolle Alternative.

Herzgesundheit

Auch die American Heart Association äußerte Vorbehalte. In einer Mitteilung warnte sie: „Beispielsweise befürchten wir, dass Empfehlungen zum Salzkonsum und zum Verzehr von rotem Fleisch dazu führen könnten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher unbeabsichtigt die empfohlenen Grenzwerte für Natrium und gesättigte Fette überschreiten, die Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind.“

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Die Organisation empfiehlt weiterhin fettarme Milchprodukte sowie pflanzliche Proteine, Meeresfrüchte und mageres Fleisch. Zu optimalen Proteinmengen seien weitere Studien notwendig.

Politischer Rahmen

Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. begründet die Leitlinien mit einem von ihm ausgerufenen „Gesundheitsnotstand“. Chronische Krankheiten sollten durch „sicheres, gesundes Essen, sauberes Wasser und die Beseitigung von Giften in der Umwelt“ bekämpft werden.

Kennedys gesundheitspolitischer Kurs ist jedoch politisch belastet. Seine früheren Äußerungen zu Impfungen und Wissenschaft sorgen dafür, dass auch die neuen Ernährungsempfehlungen kritisch eingeordnet werden.

Quellen: AFP, dpa, Deutsches Ärzteblatt

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