Elektroautos gelten als Hoffnungsträger der Energiewende. Doch jenseits von Emissionen und Reichweite rückt ein weiterer Aspekt in den Fokus: ihre Rolle als mobile Stromspeicher. Die Technik ist verfügbar, doch ihr praktischer Nutzen ist ungleich verteilt.
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Moderne Elektroautos speichern große Energiemengen, die sich theoretisch auch außerhalb des Fahrbetriebs nutzen lassen. Möglich wird das durch bidirektionales Laden, bei dem Strom nicht nur ins Fahrzeug fließt, sondern auch wieder entnommen werden kann.
Eine der derzeit praktisch nutzbaren Anwendungen ist Vehicle-to-Load. Dabei stellt das Fahrzeug Strom für einzelne Geräte bereit, wie n-tv berichtet. Entsprechende Funktionen sind inzwischen bei verschiedenen Modellen zu finden.
Für eine umfassendere Versorgung reichen solche Lösungen jedoch nicht aus.
Häuser statt Geräte
Deutlich weiter gehen Vehicle-to-Home-Konzepte. Hier speist das Auto Strom direkt ins Hausnetz ein und übernimmt im Ernstfall die Rolle eines Notstromaggregats. Technisch ist das machbar.
Dafür sind jedoch ein Netzumschalter, bidirektionale Wallboxen und eine fachgerechte Trennung vom öffentlichen Netz erforderlich. Wie n-tv berichtet, summieren sich die Kosten schnell auf vierstellige Beträge.
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Internationale Vorbilder
In anderen Ländern ist man weiter. In den USA wurde der elektrische Ford F-150 Lightning gezielt als Notstromlösung vermarktet. Mit einer passenden Heim-Energieanlage kann er mehrere Tage ein Einfamilienhaus versorgen.
Auch in Asien wird experimentiert. Die Hyundai Motor Group testet in Südkorea Vehicle-to-Grid-Modelle, bei denen Autos als flexible Stromspeicher im Netz fungieren, wie n-tv berichtet.
Deutschland im Ernstfall
Wie relevant solche Konzepte werden können, zeigte ein mehrtägiger Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang 2026. Zehntausende Haushalte waren betroffen, ausgelöst durch Sabotage, wie Behörden mitteilten.
Für eine akute Krise boten Elektroautos jedoch kaum Hilfe. Sicherheitsvorschriften verhindern eine Einspeisung in abgeschaltete Netze. Ohne vorbereitete Inselnetze bleibt das Potenzial ungenutzt.
Nüchterne Bilanz
Elektroautos können Stromausfälle abfedern, aber nicht lösen. Für Eigenheimbesitzer mit technischer Ausstattung bieten sie eine Alternative zu klassischen Notstromaggregaten.
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Für Städte und Mehrfamilienhäuser bleibt Resilienz eine politische und infrastrukturelle Aufgabe.
Quelle: n-tv