Startseite Welt 52.-Bundesstaat-Witz eines Trump-Botschafterkandidaten sorgt für Irritationen in Island

52.-Bundesstaat-Witz eines Trump-Botschafterkandidaten sorgt für Irritationen in Island

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Ein humorvoll gemeinter Satz aus Washington hat eine Debatte über Respekt, Souveränität und diplomatische Verantwortung ausgelöst. In Island wird die Aussage eines von Präsident Trump nominierten US-Botschafterkandidaten nicht als Nebensache betrachtet. Die Affäre zeigt, wie sensibel Worte im aktuellen arktischen Kontext wirken können.

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Botschafter gelten als Sprachrohr ihres Landes. Selbst informelle Bemerkungen werden daher oft politisch gelesen, insbesondere wenn sie Fragen staatlicher Souveränität berühren. Vor diesem Hintergrund sorgte eine Äußerung von Billy Long, Trumps Kandidat für den Botschafterposten in Island, für Aufmerksamkeit.

Wie Arctic Today am 14. Januar berichtete, sagte Long laut Politico im US-Repräsentantenhaus scherzhaft, Island werde der 52. Bundesstaat der USA und er selbst dessen Gouverneur. Welche Nation in diesem Szenario der 51. Staat wäre, ließ er offen.

Die Bemerkung fiel nicht im diplomatischen Rahmen, wurde aber dennoch international wahrgenommen. Arctic Today ordnete sie als Teil einer breiteren Debatte über Ton und Auftreten der Trump-Regierung gegenüber nördlichen Partnern ein.

Politischer Hintergrund

Die Reaktionen lassen sich kaum vom aktuellen geopolitischen Umfeld trennen. In den vergangenen Monaten hatten wiederholte Aussagen von Präsident Trump zu Grönland Spannungen mit Dänemark und der grönländischen Regierung ausgelöst.

Zeitgleich mit Longs Kommentar fand in Washington ein hochrangiges Treffen zwischen Vertretern der USA, Dänemarks und Grönlands statt, wie Arctic Today berichtete. Vor diesem Hintergrund erhielten selbst ironische Aussagen ein anderes Gewicht.

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Long, ein Republikaner aus Missouri, war früher Kongressabgeordneter und kurzzeitig kommissarischer Leiter der US-Steuerbehörde IRS. Seine Ernennung zum Botschafter ist bislang nicht vom US-Senat bestätigt.

Entschuldigung aus Washington

Am 15. Januar meldete Arctic Today, dass Long sich für seine Aussage entschuldigt habe. Er erklärte, der Kommentar sei Teil eines Wortwechsels gewesen, nachdem über Jeff Landry, Trumps Sondergesandten für Grönland, gescherzt worden sei.
„Das war in keiner Weise ernst gemeint … und falls sich jemand dadurch beleidigt gefühlt hat, entschuldige ich mich“, sagte Long.

Er betonte, dass keine politische Absicht dahintergestanden habe und sprach von einem Gespräch unter Bekannten. Dennoch räumte er ein, dass der Zeitpunkt sensibel gewesen sei.

Reaktionen in Island

In Island fiel die Resonanz deutlich ernster aus. Das Außenministerium kontaktierte laut lokalen Medien die US-Botschaft in Reykjavík, um eine Klarstellung zu erbitten, wie Arctic Today berichtet. Zudem wurde eine Petition gestartet, die Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir auffordert, Long nicht als Botschafter zu akzeptieren.

Gegenüber der Zeitung MBL sagte der Abgeordnete Sigmar Guðmundsson von der Regierungspartei Viðreisn: „Es versteht sich von selbst, dass dies für ein kleines Land wie Island äußerst ernst ist.“ Er verband die Aussage mit der laufenden Debatte über Grönland und regionale Sicherheit.

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Long sagte, wie Arctic Today berichtet, er habe die Reaktionen zunächst nicht gekannt, könne sie aber nachvollziehen.

Quellen: Arctic Today, MBL