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Steigende Fehlzeiten bringen Politik und Firmen in Zugzwang

Runny nose, cold, sick
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Krankmeldungen sind längst kein Randthema mehr. In Deutschland wie in der Schweiz wächst der politische und wirtschaftliche Druck, weil Beschäftigte häufiger fehlen und die Kosten steigen. Die Debatten verlaufen unterschiedlich, kreisen aber um dieselbe Grundfrage.

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In Deutschland hat die Diskussion eine klare politische Spitze. Wie die Tagesschau berichtet, stellte Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich infrage, ob der Krankenstand noch in einem vertretbaren Rahmen liege.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken reagierte mit der Ankündigung, bestehende Regeln zu überprüfen.

„Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen“, sagte Warken dem Tagesspiegel. Die Regierungsparteien hätten sich darauf verständigt, Missbrauch zu verhindern.

Merz hatte zuvor erklärt, dass selbst seine genannte Zahl von 14,5 Krankheitstagen unvollständig sei. Kurzfristige Krankmeldungen seien darin nicht enthalten. „Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch“, sagte er laut dem Tagesspiegel.

Zahlen mit Signalwirkung

Die Daten untermauern die politische Nervosität. Nach Auswertungen der Krankenkasse DAK-Gesundheit waren Beschäftigte 2025 durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgeschrieben, wie die Tagesschau berichtet. Hauptgründe waren Atemwegserkrankungen, psychische Leiden und Muskel-Skelett-Probleme.

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Auch in der Schweiz zeigt der Trend nach oben. Wie SRF berichtet fehlten Mitarbeitende im vorletzten Jahr im Schnitt 8,6 Tage wegen Krankheit oder Unfall – rund ein Drittel mehr als vor 15 Jahren. Der Anstieg gehe fast vollständig auf Krankheitsfälle zurück.

Arbeit und Gesundheit

Die Ursachen ähneln sich länderübergreifend. Eine Studie des Zürcher Amts für Wirtschaft nennt mehr psychische Erkrankungen, verändertes Verhalten seit der Corona-Pandemie und eine alternde Erwerbsbevölkerung, berichtet SRF.

Warken verwies ebenfalls auf internationale Vergleiche und stellte fest, dass Deutschland bei den krankheitsbedingten Ausfallzeiten im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich abschneidet, wie der Tagesspiegel berichtet.

Zugleich betonte sie, dass Kritik nicht gegen Kranke gerichtet sei. Dennoch könne die telefonische Krankschreibung missbräuchlich genutzt werden.

Kosten für Firmen

Besonders deutlich spüren Unternehmen die Entwicklung. In der Schweiz sind Arbeitgeber verpflichtet, den Lohn kranker Mitarbeitender über Wochen weiterzuzahlen. Krankentaggeldversicherungen sollen dieses Risiko abfedern, werden jedoch teurer und schwerer zugänglich, wie SRF berichtet.

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„Die Versicherungen sind heute nicht mehr besonders erpicht darauf, Krankentaggeldversicherungen abzuschliessen“, sagte Urs Gysling von der Firma Gryps gegenüber SRF. Kleine Betriebe mit vielen älteren Angestellten hätten zunehmend Schwierigkeiten.

Offene Richtungsfragen

Während Deutschland zunächst die telefonische Krankschreibung überprüft, wird in der Schweiz über ein Obligatorium für Krankentaggeldversicherungen gestritten. Beide Länder stehen vor ähnlichen Zielkonflikten.

Je stärker Politik und Wirtschaft auf Kosten und Fehlzeiten fokussieren, desto schärfer wird die Frage: Wo endet notwendiger Schutz für Beschäftigte – und wo beginnt ein System, das selbst unter dem Gewicht seiner Absicherung zu kippen droht?

Quellen: Tagesspiegel, Tagesschau, SRF

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