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Iran im Stillstand: Erzwungene Ruhe, ungelöste Krise

Iran, demonstration
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Auf den ersten Blick scheint sich das Leben im Iran zu ordnen. Geschäfte öffnen, Autos fahren, Behörden arbeiten. Doch dieser Eindruck täuscht. Die politische Krise ist nicht gelöst, sie hat sich lediglich verlagert – von den Straßen in den Alltag.

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In vielen Städten funktioniert das öffentliche Leben nur eingeschränkt. Zwar sind Märkte geöffnet und der Verkehr rollt, doch diese Normalität endet früh, wie BR24 berichtet. Nach dem späten Nachmittag leeren sich die Straßen, öffentliche Räume werden gemieden.

Ein entscheidender Faktor bleibt die anhaltende Internetsperre. Sie trifft nicht nur politische Aktivisten, sondern auch Händler, Angestellte und Selbstständige. Viele Menschen können schlicht nicht arbeiten, weil digitale Kommunikation fehlt, berichten BR24-Quellen aus dem Land.

Wirtschaft unter Druck

Die wirtschaftliche Lage verschärft die gesellschaftliche Spannung weiter. Die Inflation, bereits vor den Protesten hoch, ist erneut gestiegen. Preise für Lebensmittel und Konsumgüter ziehen an, während Einkommen ausbleiben.

Diese Entwicklung trifft besonders jene, die ohnehin kaum Rücklagen haben. Die Kombination aus Repression und wirtschaftlichem Druck erzeugt eine stille, aber tiefe Unzufriedenheit.

Einschüchterung statt Protest

Offene Massenproteste sind selten geworden. Das liegt weniger an politischer Befriedung als an gezielter Abschreckung. Augenzeugen berichten laut BR24 von willkürlichen Kontrollen und Hausbesuchen durch Sicherheitskräfte, die Angst verbreiten sollen.

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Bewaffnete Milizen patrouillieren in einigen Regionen. Der Sicherheitsapparat setzt auf Präsenz und Unberechenbarkeit, um neue Mobilisierung zu verhindern.

Die Zahlen der Gewalt

Erst nach Wochen nannte ein iranischer Regierungsvertreter eine offizielle Opferzahl. Mindestens 5.000 Menschen seien bei den Protesten getötet worden, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters, wie die Tagesschau berichtet. Darunter seien etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte.

Irans oberster Führer Ali Chamenei bestätigte, dass es Tausende Tote gegeben habe, machte dafür jedoch die USA und Israel verantwortlich, berichtet die Tagesschau.

Deutlich höhere Schätzungen veröffentlichte die britische Sunday Times, die von bis zu 18.000 Toten ausgeht. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.

Blick von außen

Für viele Iraner im Ausland bleibt die Lage schwer erträglich. Ein 28-jähriger Iraner, der seit fünf Jahren in Istanbul lebt, verfolgt die Ereignisse aus der Ferne. Seine Familie ist weiterhin im Iran. „Ist das wirklich mein Teheran?“, sagt er mit Blick auf die Bilder der Gewalt, wie BR24 berichtet.

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Ungewisse Perspektive

International bleibt die Lage widersprüchlich. US-Präsident Donald Trump sprach den Demonstrierenden Unterstützung zu, konkrete Maßnahmen folgten jedoch nicht. Der US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln ist auf dem Weg in die Region, doch ob daraus politischer Druck entsteht, ist offen.

Fest steht: Das Regime hat die Straßen vorerst unter Kontrolle. Gelöst sind die Ursachen der Proteste nicht. Wirtschaftliche Not, politische Repression und gesellschaftliche Erschöpfung wirken weiter.

Quellen: BR24, Tagesschau, Reuters, The Sunday Times