Was als Grundsatzrede über die Weltordnung begann, hat spürbare diplomatische Folgen. Zwischen Washington und Ottawa ist ein neuer Konflikt entstanden, der weit über persönliche Animositäten hinausweist.
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Im Mittelpunkt steht ein umstrittenes neues Gremium des US-Präsidenten – und die Frage, wie belastbar alte Bündnisse noch sind.
Wachsende Distanz
Das Verhältnis zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten galt lange als stabil. Doch wie n-tv berichtet, hat sich der Ton zuletzt deutlich verschärft, nicht zuletzt durch wiederholte Aussagen von US-Präsident Donald Trump über den nördlichen Nachbarn. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erreichte diese Entwicklung einen neuen Höhepunkt.
Kanadas Premierminister Mark Carney sprach dort von einem tiefgreifenden Wandel der internationalen Ordnung. Das bisher US-geführte System stehe unter Druck durch Großmachtkonkurrenz und den Verlust gemeinsamer Regeln. Trump erwähnte Carney nicht ausdrücklich, fühlte sich aber offenbar angesprochen.
Trumps Reaktion
Kurz darauf folgte ein konkreter Schritt aus Washington. Wie unter anderem die BBC berichtet, zog Trump Kanadas Einladung zum neu geschaffenen „Friedensrat“ zurück. In einem Schreiben auf seiner Plattform Truth Social erklärte der Präsident, das Gremium widerrufe sein Angebot an Kanada – ohne nähere Begründung.
Die BBC beschreibt den Rat als von den USA initiierte internationale Organisation zur Konfliktlösung, in der Trump selbst den Vorsitz mit weitreichenden Befugnissen innehat. Kritiker sehen darin einen Versuch, bestehende multilaterale Strukturen zu umgehen.
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Offene Fragen
Kanada hatte seine Haltung zuvor bewusst offen gehalten. Laut BBC hatte Ottawa signalisiert, grundsätzlich teilnehmen zu wollen, zugleich aber abgelehnt, eine von Trump geforderte Mitgliedsgebühr von einer Milliarde Dollar zu zahlen.
N-tv berichtete ergänzend, die kanadische Regierung habe stets betont, dass Details einer möglichen Beteiligung ungeklärt seien.
In Davos reagierte Trump scharf auf die Rede von Carney. Die USA seien Kanada gegenüber stets großzügig gewesen, sagte er. „Kanada existiert dank der Vereinigten Staaten, denken Sie daran, Mark“, erklärte der Präsident öffentlich.
Internationale Zweifel
Carney widersprach später entschieden. „Aber Kanada existiert nicht wegen der Vereinigten Staaten. Kanada gedeiht, weil wir Kanadier sind“, sagte er bei einem Auftritt in Quebec, wie sowohl n-tv als auch die BBC berichten.
Zugleich wächst international die Skepsis gegenüber Trumps Initiative. Die BBC zitierte EU-Ratspräsident Antonio Costa, der „ernste Zweifel“ an Reichweite und rechtlicher Vereinbarkeit des Rats mit der UN-Charta äußerte.
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Spanien habe eine Teilnahme abgelehnt, Frankreich sehe Konflikte mit seinen internationalen Verpflichtungen.
Der Streit zeigt, dass Trumps außenpolitische Vorstöße nicht nur Rivalen, sondern auch enge Partner vor neue Entscheidungen stellen.
Quellen: BBC, n-tv