Deutschland lebt länger, aber nicht gesünder. Während die Lebenserwartung steigt, nehmen chronische Erkrankungen zu und prägen immer größere Teile des Lebens. Genau dieser Widerspruch steht im Zentrum einer Debatte, die zuletzt auch international Aufmerksamkeit bekam.
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Beim Weltwirtschaftsforum in Davos setzte Elon Musk einen Kontrapunkt. Der Tech-Unternehmer zeigte sich überzeugt, dass Altern kein unausweichliches Schicksal sei. Fachleute aus der Altersforschung sehen das deutlich nüchterner.
Gesundheit vor Jahren
Die entscheidende Frage ist nicht, wie alt Menschen werden können, sondern wie gesund sie diese Zeit erleben. In der Forschung hat sich dafür der Begriff Healthspan etabliert.
Der Longevity-Experte Gerd Wirtz erläutert in einem Beitrag für Focus Online, dass diese gesunde Lebensphase in Deutschland deutlich früher als das Leben selbst endet. Viele Menschen verbringen einen erheblichen Teil ihrer letzten Jahrzehnte mit Krankheiten, Therapien und Einschränkungen.
Nach Einschätzung von Wirtz liegt genau darin das zentrale Problem – nicht in der absoluten Lebensdauer, sondern in der Qualität der gewonnenen Jahre.
Musks Davos-These
Elon Musk sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos, Altern sei „ein sehr gut lösbares Problem“. Sobald die Ursachen verstanden seien, werde alles „unglaublich offensichtlich“.
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Diese Einschätzung stammt aus einer technikorientierten Denkweise. Sie überträgt die Logik lösbarer Ingenieursprobleme auf biologische Systeme.
Biologie statt Bugfix
Die Altersforschung kennt zahlreiche Prozesse, die zum Altern beitragen, etwa Entzündungen, Zellschäden oder schwächere Reparaturmechanismen.
Nach Einschätzung von Wirtz greift Musks Ansatz zu kurz. In seinem Beitrag verweist er darauf, dass Altern nicht auf einen einzelnen Defekt zurückzuführen ist, sondern auf viele parallel ablaufende biologische Prozesse, die sich nicht wie ein technisches System steuern lassen.
Das Präventionsdefizit
Deutschland gibt viel Geld für Medizin aus, vor allem für Behandlung. Wirtz verweist auf OECD-Daten, die Ausgaben über dem EU-Durchschnitt zeigen.
Gleichzeitig fließt vergleichsweise wenig in Prävention. Andere Länder setzen stärker auf Rauchverbote, Regulierungen für Zucker oder Alkohol.
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Damit verschenkt Deutschland großes gesundheitliches Potenzial.
Realistischer Fortschritt
Wirtz verweist auf eine biologisch begrenzte Lebensspanne von etwa 115 bis 120 Jahren. Aus seiner Sicht rückt jedoch nicht die maximale Lebensdauer, sondern die Qualität der zusätzlichen Jahre in den Vordergrund.
Realistisch ist vielmehr ein Zugewinn gesunder Jahre durch Prävention, frühe Diagnostik und personalisierte Medizin.
Der Fortschritt liegt nicht in der Unsterblichkeit, sondern in einem längeren Leben ohne Krankheit.
Quelle: Focus Online