In einer Phase wachsender Handelskonflikte und wirtschaftlicher Unsicherheit haben die Europäische Union und Indien ein umfassendes Handelsabkommen abgeschlossen. Die Vereinbarung markiert eine strategische Annäherung zweier Wirtschaftsräume, die nach neuen Partnern suchen.
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Bekanntgegeben wurde der Abschluss während eines hochrangigen EU-Besuchs in Indien. Beide Seiten stellen das Abkommen als Antwort auf eine sich wandelnde globale Ordnung dar.
Geopolitische Wende
Wie Euronews berichtet, hat die Europäische Kommission am Dienstag ein Freihandelsabkommen mit Indien besiegelt. In Brüssel wird der Deal als eines der bedeutendsten Handelsprojekte der EU in den vergangenen Jahren eingeordnet.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von der „Mutter aller Deals“. „Dies ist die Geschichte zweier Giganten, die sich bewusst für eine Partnerschaft in einer echten Win-win-Konstellation entscheiden“, sagte sie laut Euronews.
Beide Seiten erklärten, das Abkommen eröffne ein neues Kapitel der strategischen Beziehungen.
Der Schritt folgt auf den jüngsten Mercosur-Deal und unterstreicht den Willen der EU, ihre wirtschaftlichen Abhängigkeiten breiter aufzustellen.
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Neuer Verhandlungsstil
Die Gespräche reichen bis ins Jahr 2007 zurück, scheiterten jedoch lange an politischen Blockaden. Erst nach der Wiederaufnahme im Jahr 2022 kam Bewegung in die Verhandlungen.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič sagte Euronews, der Durchbruch sei einer pragmatischeren Herangehensweise zu verdanken. „Wenn das für Sie sensibel ist, lassen wir es außen vor“, erklärte er und verwies auf bewusst ausgeklammerte Streitpunkte.
Besonders sensible Agrarbereiche blieben außen vor. Damit kam die EU zentralen Forderungen Indiens entgegen, das seine Landwirtschaft seit Jahren schützt.
Wirtschaftliche Effekte
Wie Euronews berichtet, sollen Zölle auf rund 96 % der EU-Exporte nach Indien gesenkt werden. Die Einsparungen bei Abgaben werden auf etwa 4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Europäische Autohersteller profitieren von einer schrittweisen Reduzierung der indischen Zölle im Rahmen eines Quotensystems. Auch Maschinenbau, Chemie und Pharmaindustrie sind erfasst.
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Handel unter Druck
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Euronews zufolge sieht sich Indien derzeit mit US-Zöllen von bis zu 50 % konfrontiert, während auch die EU zuletzt höhere Abgaben aus Washington hinnehmen musste.
Vor diesem Hintergrund beschleunigten Brüssel und Neu-Delhi ihre Gespräche. Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, müssen noch der EU-Ministerrat und das Europäische Parlament zustimmen. Die Umsetzung ist für Januar 2027 vorgesehen.
Quelle: Euronews