Die Spannungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten nehmen weiter zu. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Worte vom Weltwirtschaftsforum in Davos, sondern auch anstehende Entscheidungen über Handel, Zölle und die Zukunft des nordamerikanischen Freihandels.
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Vor diesem Hintergrund hat Kanadas Premierminister Mark Carney Berichte zurückgewiesen, er habe gegenüber US-Präsident Donald Trump seine jüngsten Äußerungen relativiert.
Handel im Hintergrund
Wie aus einem Bericht der BBC hervorgeht, stehen die Gespräche zwischen Ottawa und Washington unter dem Eindruck der bevorstehenden Überprüfung des USMCA-Abkommens, das Kanada, die USA und Mexiko verbindet.
Carney erklärte, das Thema sei Teil eines Telefonats gewesen, das Trump am Montag initiiert habe. Man habe ein „sehr gutes Gespräch über eine breite Palette von Themen“ geführt, darunter auch die Ukraine, Venezuela und die Sicherheit in der Arktis.
Nach Angaben des kanadischen Premiers habe der US-Präsident Kanadas Position verstanden.
Widersprüchliche Darstellungen
Auslöser der Debatte waren Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent. Er sagte in einem Interview mit Fox News, Carney habe seine Davos-Rede in dem Telefonat „sehr aggressiv zurückgenommen“, wie die BBC berichtet.
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Carney widersprach dieser Darstellung öffentlich. Vor Journalisten in Ottawa sagte er: „Um ganz klar zu sein – und das habe ich dem Präsidenten auch gesagt – ich meinte, was ich in Davos gesagt habe.“
Damit machte er deutlich, dass er keinen Abstand von seinen Aussagen nehme.
Davos als Signal
In Davos warnte Carney vor mächtigen Staaten ohne ausreichende Begrenzung und sprach von einem Bruch der Nachkriegsordnung. Die Rede wurde international als indirekte Kritik an der Politik Donald Trumps verstanden.
Trump reagierte einen Tag später mit scharfen Worten und sagte: „Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten.“
Carney erklärte nun, seine Rede habe zeigen sollen, dass Kanada die von Trump angestoßene Veränderung der US-Handelspolitik früh erkannt habe und darauf reagiere, wie die BBC berichtet.
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China und Zölle
Der britische Sender berichtet weiter, dass Bessent auch Kanadas Handelsbeziehungen zu China kritisierte. Er sagte, Kanada hänge von den USA ab und der Handel in Nord-Süd-Richtung sei deutlich bedeutender, als es ein Ost-West-Handel jemals sein könne.
Carney betonte dagegen, Kanada verfolge kein Freihandelsabkommen mit China und habe dies „nie“ in Erwägung gezogen. Trumps jüngste Zolldrohungen wertet er als Teil einer Verhandlungsstrategie vor den USMCA-Gesprächen.
Im Parlament sagte Carney: „Die Welt hat sich verändert. Washington hat sich verändert. In den Vereinigten Staaten ist fast nichts normal. Das ist die Wahrheit.“
Die Episode reiht sich ein in eine Serie öffentlicher Wortwechsel zwischen Vertretern beider Regierungen.
Während Carney betont, an seiner Linie festzuhalten, machen die Reaktionen aus Washington deutlich, dass Aussagen auf internationaler Bühne unmittelbare politische Wirkung entfalten können. Das Telefonat mit Trump hat die unterschiedlichen Sichtweisen nicht ausgeräumt.
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Quelle: BBC