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Studie zufolge nähern sich die kriegsverluste im Ukraine-konflikt zwei millionen

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Fast vier Jahre nach Beginn von Russlands Invasion in der Ukraine deuten neue Schätzungen darauf hin, dass die menschlichen Kosten des Konflikts ein Ausmaß erreichen, das in der modernen Kriegsführung selten ist. Die Zahlen weisen auf außergewöhnliche Verluste auf beiden Seiten hin, selbst während sich die Frontlinien nur geringfügig verschieben.

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Die Ergebnisse wurden von The Guardian berichtet und stützen sich auf eine neue Studie eines in Washington ansässigen Thinktanks.

Düstere Schätzungen

Nach Angaben des Center for Strategic and International Studies (CSIS) könnte die Gesamtzahl der getöteten, verwundeten oder vermissten russischen und ukrainischen Soldaten bis zu diesem Frühjahr fast zwei Millionen erreichen.

Der Thinktank schätzt, dass Russland rund 1,2 Millionen Verluste erlitten hat, darunter bis zu 325.000 Tote. Die ukrainischen Verluste werden auf knapp 600.000 getötete, verwundete oder vermisste Soldaten beziffert.

Weder Moskau noch Kyjiw veröffentlichen vollständige Verlustzahlen und behandeln solche Angaben seit Beginn der groß angelegten Invasion als Staatsgeheimnis.

Reaktion des Kremls

Der Kreml wies den CSIS-Bericht am Mittwoch zurück, bezeichnete ihn als „nicht glaubwürdig“ und betonte, dass ausschließlich das russische Verteidigungsministerium befugt sei, offizielle Verlustzahlen zu veröffentlichen.

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CSIS erklärte, die Schätzungen beruhten auf Interviews mit westlichen und ukrainischen Regierungsvertretern sowie auf Daten des unabhängigen russischen Mediums Mediazona und des BBC Russian Service.

The Guardian weist darauf hin, dass die Zahlen nicht unabhängig überprüft werden können, jedoch mit anderen westlichen Einschätzungen über hohe Verluste übereinstimmen.

Historischer Kontext

Nach historischen Maßstäben bezeichnet der Bericht die Verluste als außergewöhnlich. CSIS zufolge seien die russischen Gefechtsverluste in der Ukraine „mehr als 17-mal so hoch wie die sowjetischen Verluste in Afghanistan in den 1980er-Jahren“.

Sie lägen zudem etwa elfmal höher als die Verluste in den Tschetschenienkriegen und mehr als fünfmal höher als alle russischen und sowjetischen Konflikte seit dem Zweiten Weltkrieg zusammen.

Der Bericht legt nahe, dass die russischen Verluste die ukrainischen um etwa zwei zu eins oder mehr übersteigen.

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Belastung für beide Seiten

Trotz höherer russischer Verluste zeichnet die Studie auch für die Ukraine ein düsteres Bild, da die kleinere Bevölkerung die Fähigkeit begrenzt, lang anhaltende Verluste zu verkraften.

Moskau hat auf hohe Löhne und ausgeweitete Sozialleistungen gesetzt, um neue Rekruten zu gewinnen, darunter auch ausländische Staatsangehörige. Die Ukraine hingegen hat Schwierigkeiten, dezimierte Einheiten wieder aufzufüllen. Präsident Wolodymyr Selenskyj widersetzt sich bislang Forderungen, das Mobilisierungsalter unter 25 Jahre zu senken.

Begrenzte Geländegewinne

CSIS stellte fest, dass die territorialen Fortschritte Russlands begrenzt geblieben sind. Seit 2024 seien russische Truppen bei größeren Offensiven täglich lediglich zwischen 15 und 70 Metern vorgerückt.

Nach Angaben der ukrainischen Beobachtungsgruppe DeepState eroberten russische Streitkräfte zwischen dem 1. und 25. Januar 152 Quadratkilometer – das langsamste Tempo seit März vergangenen Jahres. Auch jüngste Friedensgespräche in Abu Dhabi brachten keinen Durchbruch.

Quellen: The Guardian, CSIS, Mediazona, BBC Russian Service

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