Zwei Menschen kaufen im selben Supermarkt dieselben Produkte ein. An der Kasse zahlen sie trotzdem unterschiedliche Beträge. Wie ist das möglich?
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Digitale Rabatte gehören für viele Menschen inzwischen zum Alltag im Supermarkt. Doch immer häufiger entscheidet nicht mehr nur das Produkt über den Preis, sondern der Umgang mit dem Smartphone.
Eine Untersuchung aus Norwegen hat eine Debatte ausgelöst, die auch Deutschland betrifft.
Im Kern geht es um Fairness beim Bezahlen. Denn nicht alle Kundinnen und Kunden haben denselben Zugang zu digitalen Vorteilen.
Debatte um Fairness
Eine von der norwegischen Regierung beauftragte Studie zeigt, dass Verbraucher mit hoher digitaler Kompetenz häufiger von Rabatten profitieren. Über die Ergebnisse berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK.
Der norwegische Verbraucherrat sieht darin ein Problem für die Gleichbehandlung. Direktorin Mette Fossum sagte laut NRK: „Um den besten Preis zu finden, braucht man heutzutage fast schon einen Doktortitel im Lebensmitteleinkauf.“ Sie kritisierte damit, wie kompliziert es geworden sei, günstige Preise zu finden.
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Nach Ansicht der Verbraucherschützer führt die wachsende Zahl an Apps und Bonusprogrammen dazu, dass sich Preisvorteile zunehmend auf eine bestimmte Kundengruppe konzentrieren.
Blick nach Deutschland
Auch in Deutschland sind Supermarkt-Apps weit verbreitet und prägen zunehmend den Einkaufsalltag. Über die wachsende Bedeutung dieser Anwendungen berichtete zuletzt die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Erhebungen der Verbraucherzentrale und externer Marktdaten.
Nach Darstellung der Zeitung kritisieren Verbraucherschützer vor allem, dass Preisvorteile immer häufiger an die Nutzung von Apps und die Preisgabe persönlicher Daten geknüpft werden. Wer kein Smartphone besitzt oder digitale Angebote bewusst meidet, werde systematisch von bestimmten Rabatten ausgeschlossen.
Besonders problematisch sei dies für ältere Menschen oder Verbraucher mit geringer digitaler Erfahrung. Vertreter der Verbraucherzentrale betonten laut Frankfurter Rundschau, dass Rabatte in Zeiten hoher Lebensmittelpreise nicht vom technischen Zugang abhängig gemacht werden dürften und forderten faire und nachvollziehbare Preise für alle Kunden.
Rabatte per App
Wie stark Apps den Endpreis beeinflussen können, zeigte NRK am Beispiel der norwegischen Handelskette Coop. Dort werden, wie bei vielen Supermarktketten, individuelle Rabatte über digitale Coupons vergeben, die nur nach Aktivierung in der App gelten.
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Ein Coop-Vertreter erklärte gegenüber NRK, dass Mitglieder als Miteigentümer besondere Vorteile erhielten. Ohne App würden diese Preisnachlässe an der Kasse nicht angerechnet.
Dies ermöglicht unterschiedliche Preise für identische Waren.
Politische Fragen
Norwegens Verbraucherministerin Lene Vågslid warnte laut NRK, dass zwei Kunden im selben Geschäft für denselben Einkauf unterschiedlich viel zahlen könnten, abhängig vom Zugang zu Preisinformationen.
Ein Verbot von Apps steht jedoch nicht zur Diskussion. Stattdessen wollen die Behörden genauer untersuchen, wie Verbraucher die Programme wahrnehmen und welche Auswirkungen sie auf den Wettbewerb haben.
Auch in Deutschland wird diskutiert, ob strengere Transparenzregeln nötig sind, um gleiche Bedingungen an der Supermarktkasse zu gewährleisten.
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Quellen: Frankfurter Rundschau, NRK