Startseite Welt Kadyrows Gesundheitszustand wirft Fragen zu Putins Kontrolle über Tschetschenien auf

Kadyrows Gesundheitszustand wirft Fragen zu Putins Kontrolle über Tschetschenien auf

Kadyrows Gesundheitszustand wirft Fragen zu Putins Kontrolle über Tschetschenien auf
FotoField/shutterstock.com

Putins wichtiger Statthalter gerät unter Druck.

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Seit Jahren hält Ramsan Kadyrow Tschetschenien mit eiserner Hand unter Kontrolle. Für den Kreml ist er mehr als ein Regionalpolitiker: Er ist Teil eines informellen Machtarrangements, das Stabilität verspricht, solange die zentrale Figur handlungsfähig bleibt. Genau dieses Modell gerät nun ins Wanken.

Nicht wegen offener Rebellion, sondern wegen der Frage, wie belastbar ein System ist, das so stark an eine einzelne Person gebunden ist.

Macht ohne Ersatz

Die Kombination aus Gesundheitsberichten und Nachfolge-Spekulationen hat in unabhängigen russischen Medien eine Debatte darüber ausgelöst, wie gut Moskau auf einen Ausfall Kadyrows vorbereitet ist.

Die Moscow Times berichtet unter Berufung auf Novaya Gazeta, dass Kadyrow trotz anhaltender Gerüchte seine erneute Kandidatur angekündigt hat.

Zugleich wird die Ernennung seines 20-jährigen Sohnes Achmat zum stellvertretenden Ministerpräsidenten als mögliches Signal in Richtung Nachfolge interpretiert.

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Für den Kreml ist entscheidend, wer Loyalität garantieren kann – nicht, wer formal gewählt wird.

Krankheit als Katalysator

Vor diesem Hintergrund erhalten Berichte über Kadyrows Gesundheit politische Bedeutung. Ukrainische Geheimdienstquellen, zitiert von Ukrinform, sprechen von Nierenversagen und einer Behandlung in einer Privatklinik, wie die Moscow Times berichtet.

Novaya Gazeta Europe meldete zudem eine Notfallhospitalisierung Ende Dezember während Kadyrows Besuch in Moskau.

Nach Angaben der Moscow Times reagiert Kadyrow auf Gesundheitsgerüchte wiederholt mit gezielt veröffentlichtem Videomaterial, das seine Handlungsfähigkeit unterstreichen soll.

Sinkender Nutzen für Moskau

Politico verweist darauf, dass Kadyrows Wert für den Kreml zuletzt abgenommen habe. Sein demonstrativer Militarismus sei im Zuge des Ukrainekriegs nichts Besonderes mehr. Zudem hätten die ihm unterstellten Kämpfer militärisch kaum überzeugt, was sein Image als unverzichtbarer Machtfaktor beschädigt habe.

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Der Politikwissenschaftler Mikhail Komin sagte, wie Politico berichtet, Kadyrows anhaltendes öffentliches Auftrumpfen in Kombination mit Berichten über seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand habe ihn für den Kreml zu einem „Kopfzerbrechen“ gemacht.

Risiko mit Grenzen

Die von Politico zitierten Analysten erwarten im Fall eines Machtwechsels in Tschetschenien keinen Kontrollverlust für den Kreml. Zwar wäre ein Rückzug oder Tod Kadyrows nach Einschätzung von Komin „unangenehm und komplex“, stelle jedoch keine grundlegende Bedrohung für das System Putins dar.

Der Regionalexperte Ruslan Aisin sagte, dass mit Unterstützung des Kremls Machtstrukturen entstanden seien, die auch ohne Kadyrow weiterbestehen könnten.

Unabhängig davon, wie ernst Kadyrows Gesundheitszustand tatsächlich ist, zeigt die aktuelle Debatte, wie stark das politische System in Tschetschenien an informelle Machtbeziehungen gebunden bleibt.

Für den Kreml geht es weniger um die Person Kadyrow als um die Frage, ob sich Loyalität, Kontrolle und Stabilität auch ohne den bisherigen Machtvermittler aufrechterhalten lassen.

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Quellen: The Moscow Times, Novaya Gazeta, Politico, Ukrinform