Starmers China-Kurs sorgt für Druck aus den USA.
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Großbritannien sucht neue wirtschaftliche Spielräume in China, während aus den USA deutliche Warnungen kommen. Die jüngste Reise von Premierminister Keir Starmer nach Peking zeigt, wie angespannt das geopolitische Umfeld ist.
Zwischen Handelsinteressen, Sicherheitsbedenken und diplomatischen Signalen versucht London, eine eigene Linie zu behaupten.
Wirtschaft im Fokus
Im Zentrum von Starmers Reise standen wirtschaftliche Vereinbarungen. Wie The Independent berichtet, wurden konkrete Abkommen erzielt, darunter eine Senkung der Zölle auf Scotch Whisky auf fünf Prozent.
Ebenfalls neu ist, dass britische Staatsbürger für Aufenthalte von bis zu 30 Tagen künftig kein Visum für China benötigen. Die Maßnahme dürfte Geschäfts- und Kurzreisen erleichtern.
Beim UK-China Business Council kündigte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot laut The Independent Investitionen von 100 Milliarden Yuan (rund 12 Milliarden Euro) bis 2030 an, um Produktion und Forschung in China auszubauen.
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Diplomatie in Peking
Wie The Guardian berichtet, bezeichnete Starmer die Gespräche mit Präsident Xi Jinping als konstruktiv und sprach von einer Beziehung, die sich in einer „guten, starken Lage“ befinde.
Vor Vertretern der Wirtschaft erklärte er, man habe sich offen und konstruktiv ausgetauscht und echte Fortschritte erzielt, da Großbritannien viel zu bieten habe.
Der Besuch war der erste eines britischen Premierministers seit 2018. The Independent hebt hervor, dass Starmer für seine China-Reise zugleich politische Kritik aus dem eigenen Land auf sich zog.
Warnungen aus den USA
Während Starmer noch in China verhandelte, reagierte US-Präsident Donald Trump scharf. The Guardian zitiert ihn mit den Worten, es sei „sehr gefährlich“ für Großbritannien, wirtschaftlich enger mit China zusammenzuarbeiten.
Trump verwies auch auf Kanada und sagte, es sei aus seiner Sicht „noch gefährlicher“ für das Land, wirtschaftlich auf China zu setzen. Kanada gehe es wirtschaftlich schlecht, und China könne nicht die Antwort auf diese Probleme sein.
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Zugleich betonte er sein persönliches Verhältnis zu Xi und erklärte: „Präsident Xi ist ein Freund von mir, ich kenne ihn sehr gut.“
US-Handelsminister Howard Lutnick äußerte sich skeptisch zu britischen Exportchancen. Nach Angaben von The Guardian erklärte er, der chinesische Markt sei für westliche Anbieter besonders schwer zugänglich.
Menschenrechte und Balance
The Independent berichtet, dass Starmer in Peking auch heikle Themen wie die politische Lage in Hongkong und die Behandlung der Uiguren ansprach. Er sagte, es habe eine „respektvolle Diskussion“ gegeben, ohne weitere Details zu nennen.
In Hongkong geht es dabei um den Abbau politischer Freiheiten seit der Einführung des chinesischen Sicherheitsgesetzes, während den überwiegend muslimischen Uiguren in der Region Xinjiang von westlichen Staaten schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.
Kritik kam aus der Opposition. Der konservative Politiker Matt Vickers warnte laut The Independent vor Sicherheitsrisiken und warf der Regierung vor, gegenüber China zu nachgiebig aufzutreten.
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Die Reise macht deutlich, wie schwierig der Balanceakt für Großbritannien geworden ist: wirtschaftliche Öffnung gegenüber China, ohne das enge Verhältnis zu den USA zu gefährden.
Quellen: The Guardian, The Independent