Wie stabil ist Arbeit noch? Ein deutsches Modell erklärt den Umbruch der Arbeitswelt.
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Der Arbeitsalltag vieler Menschen fühlt sich instabiler an als noch vor wenigen Jahren. Entscheidungen müssen schneller fallen, Debatten werden schärfer, Zukunftspläne unsicherer. Hinter dieser Entwicklung steckt mehr als ein kurzfristiger Trend.
Ein Analysemodell aus der Wirtschaftswissenschaft versucht, diese neue Realität zu erklären. Es liefert Begriffe für eine Arbeitswelt, in der Gewissheiten zunehmend verschwinden.
Alltag unter Spannung
Der deutsche Ökonom Ulrich Lichtenhalter von der International School of Management in Köln hat mit PUMO einen neuen wirtschaftlichen Analyserahmen entwickelt.
Das Akronym steht für polarisiert, undenkbar, metamorph und überhitzt und soll zentrale Veränderungen der Arbeitswelt erfassen.
Angestellte Schweiz beschreibt in einem auf Nau.ch veröffentlichten Beitrag, dass das Modell eine Arbeitsrealität mit wachsendem Leistungsdruck und zunehmender Polarisierung zeichnet.
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Diese Gemengelage betrifft nicht nur Führungsetagen. Auch Angestellte auf operativer Ebene müssen häufiger mit Unsicherheit, Zielkonflikten und emotional aufgeladenen Diskussionen umgehen.
Wir leben in einer Welt, in der Extreme zunehmen, scheinbar unmögliche Ereignisse eintreten können und sich Arbeit ständig neu formt. Klassische Planungsmodelle stoßen dabei an ihre Grenzen.
Folgen für Beschäftigte
Die Polarisierung zeigt sich besonders in politischen und gesellschaftlichen Fragen, bei denen Neutralität immer schwerer durchzuhalten ist. Gleichzeitig haben jüngste Krisen verdeutlicht, dass auch lange stabile Arbeitsmärkte plötzlich erschüttert werden können.
Hinzu kommt eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit. Rollenbilder, Kompetenzen und berufliche Ziele müssen immer wieder überprüft werden, während der Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit weiter zunimmt.
Handlungsspielräume
Angestellte Schweiz betont, dass individuelle Anpassungsfähigkeit allein nicht mehr genügt. Weiterbildung, Szenariodenken und ein bewusster Umgang mit beruflichen Wechseln gelten als zentrale Strategien.
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Gleichzeitig rückt Solidarität stärker in den Fokus. Resilienz wird nicht mehr nur als persönliche Eigenschaft verstanden, sondern als kollektive Aufgabe von Teams, Organisationen und Interessenvertretungen.
Grenzen des Modells
Das PUMO-Modell dient in erster Linie der Einordnung aktueller Entwicklungen. Konkrete Handlungsanleitungen oder politische Lösungen stehen dabei nicht im Mittelpunkt.
Für Beschäftigte bedeutet das: Das Modell kann helfen, Entwicklungen einzuordnen, ersetzt aber keine arbeitsmarktpolitischen Antworten auf Überlastung, Unsicherheit und psychische Belastungen.
Quellen: Angestellte Schweiz, Nau.ch