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Vom Mercedes‑Testfahrer zum Obdachlosen

Vom Mercedes‑Testfahrer zum Obdachlosen
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18 Jahre lang testete Jonathan K. Autos für Mercedes. Dann aß er Abfälle bei McDonald’s.

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Der Fall eines langjährigen Auto-Testfahrers wirft Fragen über Sicherheit, Brüche und blinde Flecken im deutschen Arbeitsmarkt auf. Was als berufliche Zäsur begann, entwickelte sich zu einer existenziellen Krise.

Industrie im Wandel

Jonathan K. arbeitete 18 Jahre lang als Testfahrer für Mercedes-Fahrzeuge. Seine Tätigkeit lief jedoch über einen externen Dienstleister, nicht direkt über den Konzern. Als Aufträge wegfielen, wurde sein Vertrag beendet.

In einem Interview mit Focus Online beschreibt er den Verlust nicht nur als persönlichen Einschnitt, sondern auch als Symbol für einen größeren Strukturwandel.

„Der Job hat richtig Spaß gemacht“, sagt er. Zugleich spricht er von Wut über politische und wirtschaftliche Entscheidungen.

K. verweist auf hohe Konzerngewinne und sieht ein Ungleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Erfolg und dem Umgang mit Beschäftigten in ausgelagerten Bereichen.

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Lücken im System

Nach der Kündigung wechselte K. in eine sogenannte Transfergesellschaft. Solche Einrichtungen sollen entlassene Beschäftigte qualifizieren und beim Wiedereinstieg helfen. In seinem Fall blieb diese Unterstützung aus.

„‚Wir bereiten Sie vor‘, hieß es. Dass ich nicht lache“, sagt K. im Gespräch mit Focus Online. Er schildert, dass er sich selbst um Weiterbildungen kümmern musste und schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Der unterschriebene Aufhebungsvertrag führte später zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Mehrere Monate erhielt er keine Zahlungen, ein in Deutschland vorgesehenes Sanktionsinstrument bei Eigenkündigungen.

Soziale Brüche

Parallel verschärfte sich seine private Situation. Nach der Trennung von seiner Frau räumte K. seine Wohnung, damit sie mit den Kindern nicht ohne Unterkunft blieb. Der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt im Raum Stuttgart erschwerte neue Perspektiven.

Die verbliebene Abfindung floss in Hotelkosten. Als das Geld aufgebraucht war, verlor er auch diese letzte Absicherung. Behördentermine verpasste er später, nach eigenen Angaben aus Erschöpfung.

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Leben am Rand

Ab Mitte November war K. obdachlos und übernachtete am Stuttgarter Flughafen. „Ich habe kein einziges Mal durchgeschlafen“, sagt er. Hunger gehörte zum Alltag. „Da habe ich mich von Abfällen bei McDonald’s ernährt.“

Erst der Kontakt zur Bahnhofsmission brachte etwas Stabilität. Dort erhielt er Essen, Kleidung und Unterstützung. Arbeitslosengeld bekam er zwar wieder, doch Schulden und offene Rechnungen verschlangen die ersten Zahlungen.

Hilfe und Hoffnung

Ein lokaler Fernsehbeitrag über seine Situation führte zu unerwarteter Unterstützung. Frühere Kollegen meldeten sich ebenso wie ein alter Freund, bei dem K. heute vorübergehend lebt.

„Ich habe ein schönes Bett, kann mich abends zudecken. Das fühlt sich an wie im Fünf-Sterne-Hotel“, sagt er. Nun setzt er auf ein Spezialteam der Arbeitsagentur, das bei Wohnungssuche und Stabilisierung helfen soll.

Quelle: Focus Online

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