Polen prüft Sicherheitsdimension der Epstein-Affäre.
Gerade lesen andere
Die Freigabe umfangreicher US-Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein hat international politische Reaktionen ausgelöst. In Polen rücken nun sicherheits- und justizpolitische Fragen in den Fokus, die über den eigentlichen Skandal hinausgehen.
Wie der polnische Sender TVN24 berichtet, reagiert die Regierung in Warschau mit institutionellen Schritten. Dabei geht es sowohl um mögliche nationale Bezüge als auch um geopolitische Risiken.
Sicherheitsbedenken zuerst
Premierminister Donald Tusk begründete das Vorgehen vor allem mit möglichen Auswirkungen auf die nationale Sicherheit. Er verwies darauf, dass internationale Experten und Medien zunehmend die These diskutierten, wonach russische Geheimdienste in das Netzwerk um Epstein eingebunden gewesen sein könnten, berichtet TVN24.
Nach Darstellung Tusks deuten veröffentlichte Dokumente auf finanzielle Verflechtungen und Kontakte nach Russland hin. In diesem Zusammenhang sprach er von einer möglichen sogenannten „Honeytrap-Operation“ gegen westliche Eliten.
Sollte sich dies bestätigen, hätte das nach Einschätzung der Regierung weitreichende Folgen. Polen müsse dann davon ausgehen, dass kompromittierendes Material existiere, das auch heute noch politischen Einfluss ermöglichen könnte.
Lesen Sie auch
Hinweise mit Polen-Bezug
Neben der sicherheitspolitischen Dimension prüft die Regierung mögliche polnische Spuren in den Akten. Laut TVN24 sagte Tusk, es gebe erste Hinweise, die auf Kontakte aus Polen zu Epstein hindeuteten, darunter Verbindungen nach Krakau.
Der Premier machte deutlich, dass ein besonderes Augenmerk auf mögliche Opfer aus Polen gelegt werde. Sollten polnische Kinder oder Jugendliche betroffen gewesen sein, wolle der Staat nicht nur strafrechtlich ermitteln, sondern auch Unterstützung und Entschädigung ermöglichen.
Die Regierung kündigte an, die von den USA veröffentlichten Unterlagen zügig zu analysieren und bei Bedarf zusätzliche, nicht freigegebene Dokumente aus Washington anzufordern.
Sonderteam eingesetzt
Zur Umsetzung dieser Prüfungen wird ein spezielles Analyse-Team gebildet. Regierungssprecher Adam Szłapka erklärte laut TVN24, das Gremium entstehe auf Anweisung des Premierministers in Abstimmung mit dem Justizministerium und dem Koordinator der Geheimdienste.
Den Vorsitz übernimmt Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek. Beteiligt sind Staatsanwälte, Polizeibehörden und Vertreter der Sicherheitsdienste. Der genaue personelle Zuschnitt soll aus ermittlungstaktischen Gründen nicht öffentlich gemacht werden.
Lesen Sie auch
Szłapka betonte, dass sowohl mögliche polnische Tatbezüge als auch Hinweise auf eine ausländische Steuerung des Netzwerks geprüft würden.
Fall mit langer Vorgeschichte
Jeffrey Epstein war 2008 in den USA wegen Delikten im Zusammenhang mit Minderjährigen verurteilt worden. 2019 folgten weitere Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs. Noch im selben Jahr starb er in Untersuchungshaft in New York, sein Tod wurde offiziell als Suizid eingestuft.
Die nun veröffentlichten Akten dokumentieren Kontakte Epsteins zu zahlreichen Politikern, Unternehmern und Prominenten, wie US-Behörden und internationale Medien berichten.
Quelle: TVN24