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So steuern Speisekarten unser Bestellverhalten

Waiter, restaurant
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Viele Restaurants setzen auf psychologische Strategien, um das Bestellverhalten ihrer Gäste zu beeinflussen.

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Wer im Restaurant zwischen zwei Gerichten schwankt, glaubt oft an eine spontane Entscheidung. Tatsächlich ist der Rahmen dafür meist längst gesetzt. Noch bevor bestellt wird, wirkt die Karte selbst.

Basierend auf einem Beitrag von Blick lässt sich zeigen, wie stark Menügestaltung Kaufentscheidungen beeinflusst.

Entscheidungen unter Druck

Menschen treffen Konsumentscheide selten rein rational. In der Konsumpsychologie gilt: Vergleich, Orientierung und emotionale Signale helfen, Unsicherheit zu reduzieren.

Im Restaurant kommt Zeitdruck hinzu. Gäste wollen nicht lange überlegen, sondern zügig wählen. Die Speisekarte liefert dafür scheinbare Abkürzungen.

Diese Abkürzungen sind kein Zufall. Sie folgen bekannten Mustern aus Marketing und Verhaltensforschung.

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Preise als Rahmen

Ein häufiger Effekt ist der Vergleich. Steht ein sehr teures Gericht prominent auf der Karte, verändert das die Wahrnehmung aller anderen Preise.

Der Betrag dient als gedanklicher Referenzpunkt. Danach wirken Alternativen angemessener, selbst wenn sie objektiv hoch sind.

Dieses Prinzip erklärt, warum Gäste sich oft „vernünftig“ fühlen, obwohl sie mehr ausgeben als geplant.

Sehen vor verstehen

Nicht alles wird gelesen. Augen scannen, statt zu studieren. Bestimmte Bereiche einer Seite ziehen Aufmerksamkeit an.

Was dort platziert ist, wird häufiger bestellt. Nicht wegen Qualität, sondern wegen Sichtbarkeit.

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Diese visuelle Lenkung findet sich auch in Supermärkten oder Online-Shops. Im Restaurant wirkt sie besonders schnell.

Worte erzeugen Wert

Neben Zahlen und Positionen spielt Sprache eine zentrale Rolle. Beschreibungen mit Herkunft, Tradition oder Nähe schaffen Vertrauen.

Begriffe wie „hausgemacht“ geben Gerichten emotionalen Mehrwert. Der Preis rückt in den Hintergrund.

Auch formale Details zählen. Fehlt das Währungszeichen, wirkt der Betrag weniger konkret und belastend.

Zu viel oder zu wenig

Paradox erscheint, dass kleinere Karten oft erfolgreicher sind. Eine große Auswahl überfordert.

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Viele Gäste greifen dann zu Bekanntem oder Auffälligem. Die Entscheidung wirkt frei, ist aber vorstrukturiert.

Reduktion schafft Klarheit – und lenkt gleichzeitig.

Zwischen Lenkung und Verantwortung

Menu Engineering ist kein Geheimtrick, sondern gängige Praxis. Es bewegt sich zwischen Service und Verkauf.

Für Gäste bedeutet das nicht Misstrauen, sondern Bewusstsein. Wer Mechanismen erkennt, kann reflektierter wählen.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stellt sich die Frage nach Transparenz neu. Genuss beginnt dort, wo Entscheidungen verstanden werden.

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Quelle: Blick