Keir Starmer steht innenpolitisch zunehmend unter Druck.
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Schwache Zustimmungswerte, parteiinterne Unruhe und eine umstrittene Personalentscheidung verdichten sich für Keir Starmer zu einer heiklen Lage.
Der britische Premier sieht sich nicht nur mit Kritik der Opposition konfrontiert.
Auch in den eigenen Reihen wächst die Nervosität.
Nach einem Bericht der Tagesschau und einem dort geführten Interview mit dem Politologen Marius Guderjan steht Starmer derzeit vor mehreren parallelen Belastungsproben.
Neben schlechten Umfragewerten rückt vor allem die frühere Ernennung von Peter Mandelson zum Botschafter in Washington erneut in den Fokus.
Mandelson war 2025 aus dem Amt ausgeschieden. Später wurde bekannt, dass seine Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein enger gewesen sein sollen als zunächst angenommen. Dass diese Verbindungen bei seiner Berufung bereits teilweise bekannt waren, wirft nun Fragen an den Premier auf.
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Diplomatisches Wagnis
Guderjan sieht in der Entscheidung eine strategische Abwägung, die politisch riskant war. Mandelson habe als erfahrener Politiker mit engen Kontakten in die USA gegolten, gerade im Umfeld der damaligen Trump-Regierung.
„In erster Linie hätte Starmer ihn gar nicht erst zum britischen Botschafter in den USA ernennen sollen“, sagte Guderjan der Tagesschau.
Das Botschafteramt in Washington zählt zu den wichtigsten Posten im britischen Auswärtigen Dienst. Anders als viele Vorgänger kam Mandelson jedoch nicht aus der diplomatischen Laufbahn, sondern wurde als prominenter Parteipolitiker eingesetzt.
Führung unter Druck
Trotz einzelner Rücktrittsforderungen gilt ein rascher Machtwechsel bei Labour als unwahrscheinlich. Innerhalb der Parlamentsfraktion müssten 20 Prozent der Abgeordneten formell ein Misstrauensverfahren anstoßen.
„Das ist eine sehr hohe Hürde – das ist bisher in der Geschichte der Labour-Partei noch nicht passiert“, erklärte Guderjan.
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Führende Parteivertreter stellten sich bislang öffentlich hinter den Premier. Auch potenzielle Nachfolger signalisierten Unterstützung.
Kommunikative Schwächen
Parallel zur Affäre kämpft Labour mit anhaltend niedrigen Zustimmungswerten. Rechte Parteien wie Reform UK profitieren von der Unzufriedenheit.
„Insgesamt ist Starmer nicht besonders beliebt in der Bevölkerung“, sagte Guderjan. Vielen falle es schwer, ein klares Profil des Premiers zu erkennen.
Hinzu komme, dass finanzielle Spielräume begrenzt seien und Sparmaßnahmen Teile der eigenen Wählerschaft träfen. „Ich würde grundsätzlich nicht sagen, dass es egal ist, wer das Land führt“, betonte der Politologe, verwies jedoch darauf, dass politische Führung auch von überzeugender Kommunikation lebe.
Quelle: Tagesschau