Startseite Deutschland Berliner Bürokratie wirkt für Schweizer Kolumnistin wie ein Comic

Berliner Bürokratie wirkt für Schweizer Kolumnistin wie ein Comic

Berlin
Luthfi Syahwal / Shutterstock.com

Eine Schweizerin blickt kritisch auf Berlins Verwaltung.

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Wer den Umzug in die deutsche Hauptstadt für einen Schritt in ein organisiertes, effizientes Umfeld hält, könnte womöglich überrascht werden. Eine Schweizer Kolumnistin beschreibt ihre Erfahrungen mit Berlins Verwaltung deutlich anders.

In einer Kolumne auf Nau.ch schildert Mirjam Walser, die 2018 von Bern nach Berlin zog, wie sie die Abläufe bei Ämtern in der deutschen Hauptstadt erlebt – und warum sie ihre Erwartungen korrigieren musste.

Mythos Effizienz

Vor ihrem Umzug habe sie an das „Mythos der deutschen Effizienz“ geglaubt, schreibt Walser. Terminvergaben, digitale Prozesse und klare Zuständigkeiten hätten für sie als selbstverständlich gegolten.

Stattdessen habe sie wiederholt technische Fehlermeldungen, lange Wartezeiten und komplexe Verfahren erlebt. Viele Vorgänge dauerten deutlich länger, als sie es aus der Schweiz kenne.

Um diese Erfahrung zuzuspitzen, nutzt sie die bekannte Szene aus «Asterix erobert Rom» als satirischen Vergleich. Die Episode um den Passierschein A38 steht für überzeichnete Verwaltungslogik – für Walser ein Bild, das ihre Eindrücke aus Berlin pointiert zusammenfasst.

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Schwierige Termine

Ein zentrales Beispiel betrifft die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung des Wohnsitzes. Laut ihrer Schilderung waren Termine beim Bürgeramt online über Monate hinweg ausgebucht.

Schließlich habe sie einen Termin erhalten – allerdings nicht in ihrem Bezirk, sondern in einem weiter entfernten Teil der Stadt. Entscheidend sei gewesen, überhaupt eine Vorsprachemöglichkeit zu bekommen.

Auch beim Landesamt für Einwanderung habe sich der Prozess hingezogen. Zunächst habe sie eine Anfrage stellen müssen, um einen Termin zugeteilt zu bekommen. Wochen seien vergangen, dann Monate.

Zweifel an Ernsthaftigkeit

Zwei angebotene Termine hätten für sie zeitlich nicht gepasst. Nachdem sie um eine Verschiebung gebeten und eine telefonische Abstimmung vorgeschlagen habe, sei keine neue Auswahl erfolgt.

Stattdessen sei ihre Ernsthaftigkeit infrage gestellt worden, schreibt sie.

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Walser schreibt, die geschilderten Erfahrungen beträfen nicht nur sie selbst, und verweist auf ähnliche Erlebnisse im Bekanntenkreis.

Kein Einzelfall

Eine ecuadorianische Freundin habe zunächst einen Termin buchen müssen, um lediglich ein Informationsblatt mit den nötigen Unterlagen für einen Passantrag abzuholen.

Später habe dieselbe Bekannte frühmorgens vor einem Standesamt angestanden, um einen der begrenzten Termine für die Terminvergabe zur Eheschließung zu erhalten. Wer keinen Platz bekam, habe am nächsten Tag erneut erscheinen müssen.

In ihrer Kolumne zeichnet Walser damit ein Bild von überlasteten Abläufen und umständlicher Organisation.

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Für Walser haben die Erfahrungen ihre Sicht auf die Verwaltung in ihrer Heimat verändert.

Im Vergleich wirke die Schweizer Bürokratie wie ein „gemütlicher Sonntagsspaziergang“.

Quelle: Nau.ch